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In
den rund 3o Legionen dienten ungefähr 150 000 freie römische Bürger, in
der Hauptsache Angehörige der plebs rustica.
Der Sold des
einfachen Legionärs belief sich im 1. Jahrhundert n. Chr. auf 900 Sesterzen
im Jahr; bei seiner Entlassung konnte der Legionär außerdem mit weiteren
12000 Sesterzen rechnen. Dazu kamen noch die zunächst nur selten, später
jedoch in immer dichterer Folge gewährten außerordentlichen materiellen
Belohnungen, die Donative. Zwar starben nach modernen Schätzungen rund
50 % aller römischen Soldaten bereits während ihrer Dienstzeit, doch wer
überlebte, gehörte als Veteran schon zur privilegierten Einwohnerschicht
der Städte. Veteranen und Söhne von Veteranen erhielten allmählich denselben
sozialen Rang wie die Dekurionen. In den Strafarten zum Beispiel wurden
sie von den übrigen römischen Bürgern getrennt, zu schimpflichen Todesarten
wie zum Kampf gegen wilde Tiere in der Arena konnten sie nicht verurteilt
werden.
Während im Arbeitsleben der Hauptstadt
nur für wenige, besonders qualifizierte römische Bürger ein sozialer Aufstieg
möglich war, bot die römische Legion mit ihrer Fülle von Mannschafts‑
und Unteroffiziersgraden dagegen ein geregeltes Avancement mit Dutzenden
von Beförderungsmöglichkeiten. Die wichtigste Gruppe in ihrer Hierarchie
bildeten dabei die Centurionen, die ihrer Herkunft und ihrem Werdegang
nach modernen Berufsunteroffizieren, der Stellung nach jedoch den Kompaniechefs
der modernen Armeen entsprechen. Ihre Dienstzeit als Centurio betrug in
der Regel etwa 20 Jahre, entsprechend differenziert war ihr Rang. Im Alter
von ungefähr 50 Jahren konnte ein Centurto schließlich primus pilus, das
heißt Chef der 1. Centurie einer Legion, werden, damit zugleich dienstältester
und ranghöchster Centurio aller 6o Centurionen dieser Legion. Der Primipilar
konnte schon nach einem Dienstjahr mit 6oo.ooo Sesterzen aus dem Heeresdienst
ausscheiden oder aber weiterhin militärische Spitzenpositionen übernehmen.
Die Primipilare hatten damit nicht nur
den Census des Ritterstandes erreicht, ihr spezifisches Prestige als Angehörige
einer relativ kleinen Gruppe der aktiven militärischen Führungsschicht
mit langer Truppendiensterfahrung war sogar noch größer als das eines
einfachen eques Romanus. Diese Tatsache erklärt es auch, daß in der Laufbahn
der Centurionen nicht nur ehemalige Unteroffiziere der Legionen und der
Garde dienten, sondern in einzelnen Fällen selbst Angehörige des Ritterstandes.
Der Dienst im Heer, erst recht in den seit
23 n. Chr. in Rom konzentrierten Formationen der Praetorianergarde ‑
deren Angehörige nur 16 Jahre zu dienen hatten, während der Legionär in
der Regel 20 Jahre, gelegentlich noch länger unter den Waffen stand, und
die dabei einen dreimal so hohen Sold bezogen wie die in den Legionen
dienenden Bürger ‑ blieb stets ein, auch in seinen materiellen Auswirkungen,
kaum zu überschätzendes Vorrecht der freien Vollbürger. Wurde die plebs
allmählich zum passiven Hetrschaftssubstrat, so profilierten sich die
Praetorianergarde und die an der Peripherie des Imperiums konzentrierten
Heeresverbände mehr und mehr als die entscheidenden Machtfaktoren. In
diesen Verbänden war gleichsam auch der politische Wille des römischen
Volkes in militarisierter Form konzentriert. Von Augustus an waren daher
alle principes bemüht, sich mit allen nur denkbaren Mitteln, materiellen
wie ideellen, der Ergebenheit dieser Verbände zu versichern und rivalisierende
Einflüsse, wie die des Senates, zurückzudrängen. Es war auch ein Politikum
ersten Ranges, daß schließlich nur noch der princeps berechtigt war, Triumphe
abzuhalten sowie imperatorische Akklamationen und Siegerbeinamen entgegenzunehmen.
Die Monopolisierung des militärischen Oberbefehls in seiner Hand blieb
die entscheidende Grundlage des gesamten politischen Systems; die höchsten
militärischen Ehrungen bildeten den Kern der Principatsideologie.
| Vgl. Karl Christ, Die Römer. München
1994. S. 81 ff. |
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