FO:
Teurnia - St. Peter in Holz
VO: St. Peter in Holz, Ausgrabungsmuseum Teurnia
DM: 12,2 cm - Ton |
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Ein
Tonmodel zur Verzierung von Broten, wie er vor wenigen Jahren in Teurnia
zutage getreten ist, bedeutet in diesem ausgezeichneten Erhaltungszustand
einen seltenen, besonders glücklichen Fund. Brotfladen, mit Hilfe derartiger
Model verziert, wurden vor allem in der Spätantike aus Anlaß öffentlicher
Festlichkeiten oder Circusspiele vom Veranstalter kostenlos an das Publikum
verteilt und sollten dadurch dessen Freigiebigkeit zusätzlich unterstreichen;
aus dieser Ursache sind für die Model stets bildliche Darstellungen und
Parolen gewählt worden, welche dem Spendenanlaß entsprechen sollten. Der
Teurnienser Tonmodel bietet gleichsam einen Szenenausschnitt von einem
Wagenrennen im Circus Maximus in Rom. In gedrängter Perspektive wird versucht,
ein möglichst realistisches Bild des Geschehens zu vermitteln. Die Mittelschranke
(spina) mit Säulenstatuen und dem großen Obelisken in der Mitte sowie
den Wendepfeilern (metae) an ihren beiden Enden bewirkt eine Gliederung
des Bildes in zwei Hälften: Oben, wie eine Lunette das Bild überspannend,
sind einige Reihen der Sitzränge gezeigt, aus welchen die Köpfe der Zuschauer
ragen; auf der spina erkennt man noch das Gestell mit den Delphinen, von
denen jeweils einer nach jeder Runde umgekippt wurde, und, weiter rechts,
ein Bildnis der auf einem Löwen reitenden Göttin Kybele. im unteren Bereich
werden die eigentlichen Akteure sichtbar, vier nach rechts hin rasende
Viergespanne, angefeuert von einem Reiter und einer weiteren Figur. Im
Spina-Sockel erscheint die lapidare Inschrift: HIC MUNUS HIC CIRCUS -
Hier das Geschenk - hier die Circusspiele!
Lit.:
F. Glaser öjh 52 (1978180),S. 115ff.;ders-, Die römische Stadt Teurnia
(1983), S. 67f., Abb. 8. |
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