Österreichische Chronik von den 95 Herrschaften

Österreichische Chronik von den 95 Herrschaften

In: Ostarrîchi - Österreich 996-1996. Menschen, Mythen, Meilensteine. Katalog der Österreichischen Länderausstellung in Neuhofen an der Ybbs und St. Pölten. Herausgegeben von Ernst Bruckmüller und Peter Urbanitsch. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 388. – Horn: Berger 1996. XXIV, 736. 4°. Objekt-Nr.: 5.2.04, S. 86.

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Leihgeber: British Library (London, Großbritannien), Additional Ms.16579
Österreichische Chronik von den 95 Herrschaften

© The British Library, London


Papierhandschrift, farbig illustriert
29,5 x 21 cm

Die "Österreichische Chronik von den 95 Herrschaften" ist gegen Ende des 14. Jahrhundert im Dienste Albrechts III. und zum Ruhme des Hauses Österreich verfaßt worden. Dem Verfasser – ursprünglich schrieb man das Werk Leopold Stainreuter zu, jetzt wird ein "Leopold aus Wien" als Autor genannt – ging es nicht um historische Forschung im modernen Sinn. Durch den "Nachweis" der Herkunft des Landes Österreich vom alttestamentarischen Judentum sollte die Würde des Landes – und damit auch des Geschlechtes, das seinen Namen trug – besonders hervorgehoben werden. Je "älter" das eigene Land oder Volk war, desto angesehener müßte es erscheinen. Für die aufgeklärten italienischen Humanisten des 15. Jahrhunderts erschien das natürlich ziemlich stupide.
Die "Chronik" muß seinerzeit weite Verbreitung gefunden haben, etwa 50 Handschriften sind tradiert. Um 1480 entstanden drei davon im habsburgischen Hauskloster Königsfelden im Aargau, zwei sind illustriert. Ein Exemplar befindet sich in der Burgerbibliothek Bern, das andere in der British Library, wohin es 1847 aus der Bibliothek des Freiherrn Christoph von Wolkenstein auf Rodenegg in Tirol kam. Das Bildprogramm zeigt 82 Wappenbilder aus der "Ahnenreihe" der Habsburger und 25 Illustrationen zur biblischen Geschichte und der des Hauses Österreich – wobei darunter sowohl Babenberger als auch Habsburger verstanden werden. Die ausgestellte Szene zeigt die Schlacht bei Sempach vom 9. Juli 1386 und den Tod Herzog Leopolds III. Die Niederlage bedeutete eine entscheidende Schwächung der Habsburger in ihren südwestdeutschen Stammgebieten. Leopold und viele der mit ihm gefallenen Ritter sind in Königsfelden beigesetzt worden.


Peter Urbanitsch


Literatur: Österreichische Chronik von den 95 Herrschaffen, hg. Joseph Seemüller (= Monumenta Germaniae Historica, Deutsche Chroniken 6, Hannover 1909); Konrad Josef Heilig, Leopold Stainreuter von Wien, der Verfasser der sogenannten Österreichischen Chronik von den 95 Herrschaften. In: MIÖG 47 (1933) 225-289; Paul Uiblein, Die Quellen des Spätmittelalters. In: Erich Zöllner (Hg.) Die Quellen zur Geschichte Österreichs (Schriften des Inst.f. Österreichkunde 40, Wien 1982), 50-113; Christoph von Steiger, Clemens Speckers illustrierte Handschrift der Österreichischen Chronik von den 95 Herrschaften. In: "Nobile claret opus". Festgabe für Frau Prof. Dr. Ellen Judith Beer zum 60. Geburtstag (= Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte 43, 1986) 135-140.