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Die
Spiele der Kaiserzeit waren neben den monatlichen Getreidespenden Mittel,
die kaiserliche Macht zu festigen und zu erhalten. Dem Volk wurde panem
et circenses geboten, womit seine Grundbedürfnisse abgedeckt waren.
Beliebt waren die ludi circenses, die Zirkusspiele. Die rechteckige
Anlage für Wagenrennen, die von Sitzreihen umgeben war, war der Circus.
Die Arena wurde durch die Spina geteilt. Ein Rennen bestand aus sieben
Runden, die durch Marmoreier oder Delphine angezeigt wurden. Der größte
Zirkus stand mit dem Circus Maximus in Rom und faßte bis zu 400.000 Zuschauer.
Bis zu 12 Gespanne nahmen an einem Rennen Teil. Die Renngesellschaften
(factiones) waren mittels unterschiedlicher Farben - Weiß, Rot, Grün und
Blau - gekennzeichnet.

Abb.
1: Brotmodel aus Teurnia
(aus G. Piccottini, Die Römer in Kärnten, Klagenfurt 1989, 277, Taf.
45).
Die Amphitheater
dienten der Abhaltung von Gladiatorenkämpfen und Tierhetzen. Beliebt waren
im römischen Reich seit dem 2 Jh. v. Auftritte von Tieren, wobei unterschiedliche
Tiere und Paarungen in die Arena getrieben wurden. An Tieren kommen in
Betracht: Löwen, Bären, Leoparden, Elefanten, Nashörner, Strauße, Stiere,
Luchse, Eber, Steinböcke, Elche, Antilopen, Rehe, Krokodile, Seehunde.
Als Paarungen bieten sich an: Mensch gegen Tier, Tier gegen Tier, das
Tier als Hinrichtung für Hochverbrecher, Kriegsgefangene oder Christen.
Mosaikdarstellungen aus einer Villa in Zliten (Libyien) zeigen an Pfählen
festgebundene Menschen als Opfer von Leoparden.
Zwei
Terra Sigillata Fragmente, gefunden im Amphitheater von Virunum, zeigen
Jagdszenen, sogenannte venationes.

Abb.2:
Terra Sigillata Fragmente-Virunum.
Die Darstellungen
in einem Amphitheater waren mit Sicherheit blutig, wenn auch nicht immer
tödlich. Ursprünglich religiös motiviert wandelten sich die munera
zu einem profanen Vergnügen für die breite Masse. Unter großer öffentlicher
Anteilnahme fand das Spektakel mehrmals im Jahr statt, Gladiatoren waren
rechtlos und bewundert, bisweilen Frauenschwarm (Juvenal: Eppia verläßt
man und Kinder für Sergiolus). Die Events wurden durch Aufschriften an
Hauswänden beworben (Pompeji: Am 31 Mai wird in Pompeji die Gladiatorentruppe
des Aedilen Aulus Suetticus kämpfen. Es wird eine Tierhetze und Sonnensegel
geben. Glück allen Kämpfern aus der neronischen Schule. Dies schrieb Secundus:
die Wand weißigte Victor, geholfen hat Vesbinus, Firma ....). Für die
Annehmlichkeiten des Publikums wurde gesorgt: Sonnensegel, bisweilen in
unterschiedlichen Farben, wurden aufgezogen und tauchten die Zuschauerränge
in mildes Licht.
In den Amphitheatern
wurden munera gladiatorium abgehalten. Munus (EZ von munera)
bedeutet ursprünglich soviel wie Geschenk, Amt, Pflicht. Gladiator war
jemand, der mit dem gladius, dem Schwert, kämpfte. Bei etruskischen
Totenfeiern war es Brauch gewesen, zwei Kämpfer (oft Kriegsgefangene)
am Sarg des Verstorbenen gegeneinander bis zum Tod kämpfen zu lassen,
um mit diesem Blutopfer die Totengötter, allen voran Charon, gnädig zu
stimmen. Um die Mitte des 3.Jh. v. Chr. wurde dieser Brauch von den Römern
übernommen. Der erste bezeugte und noch allein religös motivierte Gladiatorenkampf
fand 264 v. Chr. in Rom am Forum Boarium statt anläßlich der Bestattung
des Senators Decimus Iunius Brutus Pera. Es waren Menschenopfer für den
Verblichenen, die aber in der Folge rasch an Beliebtheit gewannen, zumindest
bei den Zusehern. Ausgerichtet und finanziert wurden diese Spektakel von
Privatleuten, wobei bis zu 120 Gladiatoren an dem Schauspiel beteiligt
sein konnten. Doch nicht allein Schaulust und Freude am Blutvergießen
machten die Gladiatorenkämpfe an den Totenbahren zu einer Besonderheit
für den Römer: Es war auch die Demonstration von virtus, die Demonstration
von römischer Wesensart in ihrer höchsten Vollendung. Virtus ist
der Gleichmut im Angesicht des Todes, Kaltblütigkeit, Unerschrockenheit
in Gefahr, Disziplin in Vollendung.
Den revolutionären
Schritt setzte der Konsul Publius Rutilius Rufus im Jahr 105 v., als er
erstmals die Gladiatorenkämpfe ohne Anlaß einer Leichenfeier veranstalten
ließ. Dadurch wurden die Gladiatorenkämpfe ihres religiösen Ursprungs
beraubt und zu einer profanen Einrichtung des römischen Staates. Als Veranstaltungsort
hatten zunächst Felder und freie Plätze in den Städten (v.a. die fora)
genügt. Um dem stärker werdenden Zuschauerinteresse gerecht zu werden
und nicht nur den in den ersten zwei Reihen stehenden Zuschauern optimale
Sicht auf das Geschehen bieten zu können, mußte sich eine eigene Architekturform
entwickeln. Fand man zunächst noch mit einfachen Holztribünen das Auslangen,
so wurden diese Konstruktionen nach der "Katastrophe von Fidenae", als
im Jahr 27 n. solch eine Konstruktion einbrach und 50000 Menschen den
Tod gefunden haben sollen (Tacitus, Annalen 4, 62), zunehmend von Steinbauten
abgelöst.
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