EINE MILITÄRSIEDLUNG
RÖMISCHE PERIODO
 

PANNELLO 5

Die Militarisierung Friauls erfolgt durch Julius Cesar zwischen 58 und 51 v. Chr. nach der Plünderung von Tergeste (Triest) durch die Gepiden (De bello Gallico I, 10). Zum Zwecke der ständigen Überwachung wurden in dieses Gebiet wenigsten vier Legionen verlegt und es erfolgte die Errichtung von mehreren befestigten Zentren: Die Kastelle und Siedlungen von Tricesimo, Osoppo und Gemona sowie die Stadt Iulium Carnicum (Zuglio).

In weiterer Folge, während der Kämpfe an der Donau zur Zeit des Augustus wurde dieses Gebiet nie zur Gänze entmilitarisiert, trotz des Umstandes, daß die Julischen Alpen in jener Epoche ein ziemlich friedliches Gebiet darstellten. Die militärische Kontrolle der Alpentäler wurde deshalb beibehalten bzw. verstärkt, um neben der Kontrolle der Heerstraßen auch ein gutes Funktionieren des cursus publicus (militärischer Postdienst), der von Augustus eingeführt wurde, um die Heere in Germanien von Aquileia aus lenken zu können und um dem Unwesen der Wegelagerer Einhalt gebieten zu können, die für Reisende, Händler, und Hirten eine Gefahr darstellten. Die Wachtürme und Signaltürme stellten Sichtverbindung zwischen den militärischen Abteilungen her.

In diesen allgemeinen Kontext fügt sich der quadratische Turm des Sektors IV ein, der zwischen dem Ende des 1. Jhdts. v. Chr. und dem Beginn des 1. Jhdts. n. Chr. errichtet wurde. Dadurch wird die Bedeutung Castelraimondos in der Hierarchie der romanisierten einheimischen Ortschaften ersichtlich. Die Bautechnik der neuen Befestigung unterscheidet sich grundsätzlich von der vorrömischen lokalen Bauweise durch den Gebrauch eines hervorragenden Mörtels, die Außenwände waren verputzt – wie bei anderen vergleichbaren Türmen entlang des limes (Grenze) des Reiches – und die Dächer mit Ziegel gedeckt.

Der Turm hatte neben seiner Funktion hinsichtlich Verteidigung, Kontrolle und Signalstelle auch einen erheblichen Wert als Zeichen der römischen Macht und daher als psychologische Abschreckung gegenüber der einheimischen Bevölkerung, die an diese Art von Bauwerken nicht gewohnt war.

Im Sektor V hat das große Gebäude eine Reihe von baulichen Verbesserungen erfahren – Dach wurde mit Ziegeln gedeckt und andere Veränderungen, die auf römische Bauweise hindeuten.

Nördlich des Gebäudes wurde ein weiterer quadratischer Aussichtsturm errichtet, in einer beherrschenden Position über den Tälern des Arzino und des Tagliamento.

Bis zum Jahr 270 n. Chr., als die Dächer der Gebäude in den Sektoren IV und V einstürzten, gab es keine wesentlichen baulichen Veränderungen in der Struktur und Funktion der Ansiedlung.

Die strategische Bedeutung des Ortes wird durch die sofortigen Maßnahmen hinsichtlich Wiederaufbau und Restaurierung der Strukturen verdeutlicht, die in der Phase 4a der Siedlung erfolgten.

Im Sektor V wurde das große Gebäude durch neue Mauern vergrößert, bei deren Errichtung Mörtel verwendet worden war. Das Innere des Gebäudes wurde sorgfältig verputzt. Die zutage getretenen Materialien weisen auf einen nunmehr völlig militärischen Charakter des Ortes hin.

Die Befestigungsanlage blieb während des gesamten IV Jahrhunderts militärisch aktiv und war somit Teil der römischen Verteidigungsanlagen, die auf einem doppelten Befestigungsring basierten: Einer am limes an Rhein und Donau, ein zweiter in den alpinen Regionen.

Um das Jahr 430 n. Chr. zerstörte ein gewaltiges kriegerisches Ereignis die Siedlung: im Sektor V zerstörte ein Brand das Gebäude, während im Sektor IV alle Häuser und der Turm gründlich zerstört wurden.

Auf diese Weise ging die letzte Phase römischen Lebens auf dem Hügel zu Ende.