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Vorstufen MoE, MappeI/1 "IE" Ideen-Einzelblätter, Deckblatt

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Vorstufen MoE, MappeI/1 "IE" Ideen-Einzelblätter, S.1

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Vorstufen MoE, MappeI/1 "IE" Ideen-Einzelblätter, S.2

Lückenlose Publikation aller Zeugnisse


Musils Oeuvre per se bedarf der posthumen herausgeberischen Vermittlung, weil es in einem umfassenden Sinn unvollendet ist. Als Musil verstarb, hinterließ er in ca. 40 Heften und 60 Mappen mehr als zehntausend Seiten Manuskript.

Die unveröffentlichten Schriften hatten sich angesammelt, weil Musil in den letzten zehn Jahren seines Lebens beinahe nichts mehr publiziert hatte, in Folge von äußeren Umständen (dem Zusammenbruch des literarischen Lebens im Deutschen Reich nach der nationalsozialistischen Machtergreifung) und auch als inneren (gesundheitlichen, konzeptionellen) Gründen. "Er glaubte, noch 20 Jahre Leben und Arbeitskraft vor sich zu haben", schrieb die Witwe am 15. November 1942 an Walter Grossmann. "Und gerade weil er nie an einen frühren Tod dachte, ist sein Werk unvollendet geblieben."

Etwa zwei Drittel des literarischen Nachlasses gehören direkt dem "Mann ohne Eigenschaften" an; sie repräsentieren zum einen Kapitelentwürfe und Notizen zur Fortsetzung des Zweiten Buchs, entstanden in den Jahren 1932-1942, und zum anderen Vorstufen aus den 1920-er Jahren, aus Zeiten, als der Roman noch die Arbeitstitel "Der Spion", "Der Erlöser" und "Die Zwillingsschwester" trug. Musil führte diese alten handschriftlichen Entwürfe und Typoskripte mit sich mit bis ins Exil nach Zürich und nach Genf, weil er in ihnen nicht nur bereits obsolete Vorarbeiten sah, sondern Material für die Fortsetzung bis zum noch ungeschriebenen Finale.
Der Sachverhalt wirft ein Schlaglicht auf eine grundsätzliche Problematik: praktisch kein Kapitelentwurf zur Fortsetzung des Romans ist als definitiv fertig zu betrachten; häufig ist nicht zu entscheiden, ob eine Kapitelfassung eine bereits fallengelassene Vorstufe einer späteren Version desselben darstellt oder möglicherweise in einer noch zu überarbeitenden Form für eine andere Stelle in der stets variablen Kapitelsukzession des Romans bereit liegt. Dies ist nur ein Beispiel für editorische Schwierigkeiten, die sich bei der Herausgabe der Romanfortsetzung fast zwangsläufig ergeben.

In einem Brief an Carlo Pietzner berichtet Martha Musil, Musil habe öfters gesagt, "daß er nichts Unfertiges herausgeben möchte; aber manchmal sagte er auch: später einmal werden sich Literaturhistoriker an meinen Notizen den Kopf zerbrechen." Die Kapitelentwürfe der Spätzeit sind überlagert von Notizen, von Metatext in Form von "Studienblättern", "Korrektur-Notizen" und "Schmierblättern".
Das Verhältnis zwischen Text und Metatext beträgt etwa 1 : 3. Musils Schreiben scheint förmlich auf Unabgeschlossenheit gerichtet zu sein. Der alte Streit in der Musil-Forschung darüber, ob der "Mann ohne Eigenschaften" bzw. zumindest sein Nachlassteil seine potenzierte Fragmentarizität aus poetologischen, ästhetischen Gründen beziehe oder ob schlicht der Tod dem Autor die Feder aus der Hand genommen habe, muss bei allem Spielraum für Interpretation nicht unentschieden bleiben.
Die Struktur des Hinterlassenen spricht eine beredte Sprache, auch gibt es viele explizite Hinweise auf das Romanfinale in sich wandelnden Konzeptionen und konkrete Ansätze zur Niederschrift. Ausbuchstabieren und verstehen lassen sie sich nur auf der Grundlage lückenloser Veröffentlichung.
Daraus leitet sich das erste grundlegende Postulat für die Edition ab: sie enthält die Faksimiles der Manuskripte und deren Transkription.

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