vergrößern

Robert Musil


Der österreichische Schriftsteller Robert Musil, geboren am 6. November 1880 in Klagenfurt, verstorben am 15. April 1942 in Genf, bot sich als Mensch und Autor in sehr unterschiedlichen Wesenszügen dar und er hinterließ ein vielgestaltiges, komplexes und fragmentarisches Werk.

Ausgebildet als Offizier der k.u.k. österreichisch-ungarischen Armee, als Ingenieur der Technischen Hochschule Brünn im Fach Maschinenbau, als Doktor der Philosophie der Universität Berlin mit dem Spezialgebiet angewandte Psychologie war er als Bibliothekar, als Zeitschriftenredakteur, im Ersten Weltkrieg als Soldat, zuletzt im Rang eines Hauptmanns, in den Nachkriegsjahren als Beamter im österreichischen Außenministerium und psychologischer Fachbeirat im Heeresministerium, als Essayist, etwa der Neuen Rundschau, als Theater- und Kulturkritiker für die Prager Presse und andere Zeitungen im deutschen Sprachraum und schließlich als freier Schriftsteller tätig.

Seine schriftstellerische Laufbahn führte ihn einerseits zu großen Erfolgen, andererseits zu schmerzhaften Niederlagen. Der Romanerstling "Die Verwirrungen des Zöglings Törleß" (1906) brachte Musil mit einem Schlag literarischen Ruhm ein; sein großes Hauptwerk, den Roman "Der Mann ohne Eigenschaften", stellte das deutschsprachige Feuilleton nach dem Erscheinen des Ersten Buchs (1930) in eine Reihe mit dem Romanschaffen der europäischen Moderne eines James Joyce, Marcel Proust oder Thomas Mann. Andererseits blieb Musil für zwei seiner Bücher, an denen er jahrelang mit größtem Nachdruck gearbeitet hatte, den Band "Vereinigungen" (1911) mit zwei Novellen und das Theaterstück "Die Schwärmer" (1921) fast jede Anerkennung versagt.

Mit dem „Mann ohne Eigenschaften“, von dessen Zweitem Buch 1932/1933 nur der erste Teil erscheinen konnte, geriet der Schriftsteller in der Zeit nach der nationalsozialistischen Machtergreifung im Deutschen Reich an die Grenzen des Gestaltbaren, der Roman blieb unvollendet, an seiner Stelle hinterließ Musil ein literarisch-philosophisches Laboratorium in tausenden Manuskripten. Was sich bereits zu Lebzeiten abgezeichnet hatte, setzte sich im Nachleben fort: In den ersten zwanzig Jahren nach seinem Ableben beinahe vergessen, erlangte Musil später Weltruhm, wurde kanonisiert, in eine Vielzahl von Sprachen übersetzt, zugleich gilt er als schwieriger Autor voll hoher ästhetischer und intellektueller Ansprüche; obwohl sein Werk als repräsentativ für die literarische Moderne universelle Gültigkeit beansprucht, scheint es nicht leicht zugänglich, scheint es der Vermittlung besonders bedürftig, wie sein Autor selbst mehr als einmal feststellte. "Gewisse Mittlerschichten, die anscheinend unentbehrlich sind, haben sich immer von mir ferngehalten" beklagt er 1931.

Werkausgaben in historisch-kritischer Erschließung sind dazu da, solche Vermittlungsaufgaben zu erfüllen; weshalb im Falle Musils die digitale Form gewählt wurde, wollen wir in dieser Einführung genauer begründen.

Zurück zur Auswahlseite

Seitenanfang