Entwicklungsperspektiven
Auch mit dem Vertriebsbeginn der 1. Auflage am 25. August 2009 ist die
Erstellungsarbeit der Klagenfurter Ausgabe keineswegs als abgeschlossen zu
betrachten.
Ihre Käufer erwerben sich die Option auf Updates zu ermäßigtem
Preis. Die Notwendigkeit zur Weiterentwicklung der Edition ergibt sich aus zwei
Gründen:
Erstens konnte das editorische Konzept trotz der langen
Vorbereitungszeit nicht zur Gänze ausgeführt werden. Die Herausgeber haben sich
dafür entschieden, den Produktionstermin für die 1. Auflage aber nicht mehr
länger hinaus zu zögern, sondern von den Möglichkeiten zu nachträglichen
Korrekturen und Anpassungen im digitalen Medium Gebrauch zu machen, die zum 1.
Update publiziert werden.
Zweitens müssen digitale Editionsprojekte auf
einheitliche Standards bei der Textauszeichnung ausgerichtet sein und Editoren
müssen sich um das langfristige Funktionieren der eingesetzten Systeme kümmern.
Am Robert-Musil-Institut bestehen über 2008 hinaus personelle Voraussetzungen
für fortgesetzte Datenpflege am Korpus der Musil-Ausgabe.
Im Update 2011 vorgesehene Nachträge, Korrekturen und Ergänzungen
In der Version von 2009 sind folgende Bereiche der Edition unvollständig: in
Band 14 und Band 15 sind die Lesetexte unvollständig und Kommentierungen noch zu
ergänzen. Der Stellenkommentar zu den Nachlass-Transkriptionen ist nur für
Mappengruppe I vollständig ausgeführt. Der Kommentar zu den Briefen ist noch
unvollständig; die von Adolf Frisé für seine Transkriptionen verwendeten Quellen
aus Beständen außerhalb der ÖNB müssten an den Originalen kontrolliert werden.
Die Erschließung der zeitgenössischen Rezeption betrifft nur die im Nachlass
Musils vorliegenden Dokumente, hier wären weitere Recherchen nötig. Die
Bibliographie ist zu aktualisieren und um Publikationen außerhalb des
deutschsprachigen Raums zu erweitern. Verbessert werden soll die Gestaltung der
Suchfunktionen durch Suchmasken sowie die Möglichkeit, Ausdrucke zu erzeugen,
durch die Einführung von Druckprofilen mit definierten Seitenumbrüchen.
Im Update 2011 und in späteren Updates vorgesehene Neuerungen
Die Herausgeber planen, das System für die Nachlass-Transkription umzustellen
und die bisherigen Transkriptionen mit diakritischen Zeichen durch eine
Transkription mit typographischen Signalen zu ersetzen, wie sie unter anderem
bei der Transkription der Briefkonzepte und des Genfer Grigia-Manuskripts
bereits verwendet werden. Um den interaktiven Charakter der Edition zu fördern,
ist an dem Einsatz der Schattendatei-Funktion von Folio Views gedacht, welche es
Nutzern erlauben würde, in einer eigens abspeicherbaren Datei ihre eigenen
Kommentierungen und Markierungen anzubringen; außerdem an den Einbau von
Sprungverknüpfungen ins Internet aus den kommentierten Registern zu Personen und
zitierten Werken.
Um die Konservierung der Daten und die Konvertierbarkeit des
Systems zu gewährleisten, ist die Entwicklung von Konvertern für den Transfer in
das XML-Format mit TEI-Kodierungen vorgesehen. Beim heutigen Stand der
Diskussion (2009) lässt sich allerdings noch nicht absehen, welche Standards und
welche Formate künftig gelten werden, um die Benutzbarkeit von hypertextuellen
Strukturen über Revolutionen bei Betriebssystemen hinweg sicher zu stellen.
Jedenfalls übernimmt das Musil-Institut durch kontinuierliche Datenpflege die
Haftung dafür, dass die Klagenfurter Ausgabe für künftige Computer-Generationen
verfügbar bleibt.
Ein wichtiges Ziel verfolgen die Herausgeber mit ihrem Plan der zwanzigbändigen
Buchausgabe. Die ideale Lösung für neue Musil-Leser und die wissenschaftliche
Nutzung in einem wird eine Hybrid-Ausgabe sein, ein Nebeneinander der
Leseausgabe in zwanzig Bänden und der kommentierten historisch-kritischen
digitalen Ausgabe.


