Eisentruhe mit Ölbildern esterházyscher Besitzungen, 1688

Eisentruhe mit Ölbildern esterházyscher Besitzungen, 1688

In: Bollwerk Forchtenstein. Burgenländische Landesausstellung 1993 auf Burg Forchtenstein vom 15. Mai bis 31. Oktober 1993. Herausgegeben vom Amt der Burgenländischen Landesregierung, Abteilung XII/2 – Landesarchiv und -bibliothek. Katalog. Redigiert von Jakob M. Perschy. Burgenländische Forschungen. Sonderband 11. – Eisenstadt: Amt der Burgenl. Landesregierung, Abteilung XII-2, Landesarchiv und -bibliothek 1993. 275. 4°. Bibl., Illustr., Karten, Graph. Darstellungen, Stammtafeln. Objekt-Nr.: X, 3, S. 230–231. Abbildung S. 240 ff.

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Leihgeber: Fürstlich Esterházy'sche Sammlungen, Burg Forchtenstein (Burgenland), II/7/10
Eisentruhe mit Ölbildern esterházyscher Besitzungen, 1688

122 cm (Länge) mal 85 cm (Höhe) mal 88 cm (Tiefe)

Die große Truhe, gemeinhin als "Kriegskasse" bezeichnet, diente wahrscheinlich der Aufbewahrung der kostbaren Magnatengewänder; vielleicht hat man darin auch wertvolle Dokumente oder Objekte der Schatzkammer verwahrt, in der sie zweifelsohne früher stand. Wegen der nach der Beschriftung im Jahre 1688 erfolgten künstlerischen Ausschmückung mit Ölgemälden esterházyscher Besitzungen stellt die mit vergoldeten starken Eisenbändern befestigte Truhe einen ikonographischen Schatz besonderer Art dar.
Auf der durch Eisenbänder in acht Felder geteilten Vorderfront sind in der oberen Reihe von links nach rechts dargestellt: Die Schlösser LACKENBACH, KISMARTON (Eisenstadt), VI KÖPCZEN (Schloß Kittsee), SZAMOS-FALVA (Sammersdorf bei Neckenmarkt); in der unteren Reihe: For(talicium) FRACKNO (Festung Forchtenstein), LANSEE (Landsee), STRECZEN (Strečno, Slowakei), SZADVAR (Sadvar, Slowakei).
Auf der linken Seitenfront oben: KÖRESZTUR (Deutschkreutz) und CZIKLES (Sigleß), unten: ARX LEKA (Burg Lockenhaus) und TABOR (abgekommene Burg bei Mannersdorf-Unterloisdorf).
Auf der rechten Seitenfront oben: BICZE Ad orientem (Biča, Slowakei, nach Osten) und BICZE Ad occidentem (Biča nach Westen), unten: HARTHENSEIN (Hartenstein, Niederösterreich) und FEKETVAR (Schwarzenbach, Niederösterreich).
Auf dem Deckel, obere Reihe: O KÖPCZEN (Burg Kittsee), TATA (Totis, Ungarn), CZOBANCZ (Csobánc, Ungarn) und CZINFALVA (Siegendorf), untere Reihe: NAGY HEFLAIN (Großhöflein), NAGY MARTON (Mattersburg), FEHER:EGY:HAZ (Donnerskirchen) und SZENT:MIKLÖS (Neudörfl an der Leitha).
Die Beschriftungen der Bilder sind bei einer früheren Restaurierung zum Teil verfälscht worden (LACKENBACH statt LAKOMPAK, FEKETVAR statt FEKETEVAR, HARTHENSEIN statt HARTENSTEIN). Die Darstellungen auf dem Truhendeckel sind sehr defekt.
Die Ölbilder der Burgen und Schlösser korrespondieren weitgehend mit den Matthias Greischer zugeschriebenen Kupferstichabbildungen derselben Objekte (Vgl. Esterházysche Besitzungen), sodaß ein enger Zusammenhalt zwischen dem um diese Zeit in Eisenstadt lebenden Greischer und dem Maler der Truhenbilder bestanden haben muß; ob aber Greischer die Ölbilder auf der Truhe kopierte oder umgekehrt die Greischerschen Darstellungen vom Truhenmaler kopiert wurden, läßt sich nicht feststellen.
Auf der Innenseite des Deckels ist das fürstliche Wappen zwischen Blumenranken gemalt, darüber das Schriftband: DEO PROPITIO, auf beiden Seiten begleitet vom Titel des Fürsten in vergoldeten Initialen: P.S.R.I.P.E.D.G. (links) und R.H.P.A.V.E. (rechts), d.i. Paulus Sacri Romani Imperii Princeps Estoras De Galanta Regni Hungariae Palatinus Aurei Velleris Eques. Darunter die Jahreszahl 1688.



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