Das Wappen des Fürstbischofs Georg Neideck, getragen von zwei Engeln

Das Wappen des Fürstbischofs Georg Neideck, getragen von zwei Engeln

In: Circa 1500. Leonhard und Paola – Ein ungleiches Paar. De ludo globi – Vom Spiel der Welt. An der Grenze des Reiches. Landesausstellung 2000 – mostra storica in Lienz, Schloß Bruck, in Brixen, Hofburg Brixen und in Besenello, Castel Beseno, Besenello. Veranstaltet vom Land Tirol, der Stadt Lienz u.a. Redaktion Marco Abate u.a. – Mailand: Skira, 2000. – 539. 4°. Illustr., Bibl., Karten Objekt-Nr.: 3-3-8, S. 513–514. Abbildung S. 512.

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Leihgeber: Palazzo Municipale Riva del Garda (Italien)
Das Wappen des Fürstbischofs Georg Neideck, getragen von zwei Engeln

© Museo Civico di Riva del Garda


Um 1509
Amonitkalkstein, 100 x 150 cm
Bildhauer aus Verona oder aus dem Raum Trentino/Verona


Palazzo Municipale Riva del Garda (Italien) – Sitz der Stadtverwaltung, damals bereits unter venezianischer Aufsicht

Nach der Eroberung von Riva durch das tridentinisch-tirolerische Heer unter Führung von Fürstbischof Georg Neideck von Trient wurde der in die Fassade mittig eingemeißelte Löwe Venedigs durch dessen Wappen ersetzt. Die ganz im Stil der Renaissance gehaltenen Lettern bezeugen Neidecks Nähe zu dieser Kultur, in der das große Wappenfresko, das 1513 für ihn über Port' Aquila in Trient von Hieronymus von Bamberg ausgeführt wurde, höchster Ausdruck edlen gotischen Geschmackes ist. Zwei Engel mit losem Haar, in kurze Tuniken gekleidet, die oben an das Leben gebunden sind, halten das große Schild, auf dessen Feld die drei Muscheln von Neideck diagonal zum Adler des Fürstentums abgebildet sind; sie halten auch die mit Edelsteinen und Brokat besetzte Mitra, von der die beiden Infule symmetrisch herabhängen. Die in dem klassischen Blätterrahmen rechteckig eingebettete Darstellung ist vollkommen gleichmäßig. Obschon dieses ikonographische Schema in der Monumentheraldik der Renaissance vorkommt, ist dies der erste uns bekannte Fall im Gebiet des Trentino. Es kehrt in dem mehr höfischen und feierlichen Relief mit den Insignien des Bernhard Cles und des Fürstentums wieder, das in der Apsis von Santa Maria Maggiore in Trient nach deren Fertigstellung (1520) herausgearbeitet wurde. Rasmo ordnete die Arbeit einem lombardischen Künstler zu. Geht man von der Gesteinsanalyse und der Tatsache aus, dass Neideck bis zu seinem Tode (1514) Verona regierte, erscheint es wahrscheinlicher, dass sie aus der Hand eines Künstlers aus Verona, wenn nicht sogar aus dem Raum Trentino-Verona, stammt.


Bruno Passamani


Literatur: Luigi A. Baruffali, Riva tridentina (Riva del Garda 1903), S. 21. – Nicolò RASMO, Storia dell'arte nel Trentino (Trento 1982), S. 202.