Der Heilige Lorenz mit dem Wappen Erzherzog Sigmunds

Der Heilige Lorenz mit dem Wappen Erzherzog Sigmunds

In: Circa 1500. Leonhard und Paola – Ein ungleiches Paar. De ludo globi – Vom Spiel der Welt. An der Grenze des Reiches. Landesausstellung 2000 – mostra storica in Lienz, Schloß Bruck, in Brixen, Hofburg Brixen und in Besenello, Castel Beseno, Besenello. Veranstaltet vom Land Tirol, der Stadt Lienz u.a. Redaktion Marco Abate u.a. – Mailand: Skira, 2000. – 539. 4°. Illustr., Bibl., Karten Objekt-Nr.: 3-3-5, S. 513. Abbildung S. 474.

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Der Heilige Lorenz mit dem Wappen Erzherzog Sigmunds

© Zotta Gianni, Trient


Öl auf Tafel
Paolo Naurizio (Trient, Nachrichten 1578-1597) ?
Churburg (Vintschgau-Bozen)

Im oberen Bereich liest man: "Dausent und fierhundert und im siben und achtzigösten jar am freitag des heiligen lorenzi fest ist besehen die shlahat am Gallian wider die Venediger da bey seindt gewesen diese Riter und andere adelß personen deren namen und wapen alhier gemalt seind Gesechen under dem hoh Geboren fiersten und hern Sigismundus hertzherzig zu Osterreich hat diese Obgemalte (Leerraum) slaht erhalte 1652 Iar hat Lorenzi mair SPITL HER diese wapen renovieren lasen".
Das Abzeichen ist das einzige uns auf Tafel überlieferte Stück aus dem heraldischen Kontext von St. Peter; stilistisch ist es lange nach der Schlacht von Calliano entstanden und bedurfte im Nachhinein einer Restaurierung bzw. "Auffrischung" des figurativen Gedächtnisses. Die Wappenbeschreibung ruft zwei Begebenheiten in Erinnerung; die Erste (dem Heiligen gewidmete) erklärt die Bewandtnis der Wappen; die andere bezieht sich auf die Renovierung des Mair im Jahr 1652. Von Trentini erinnert sich der Tafel im Gang der Kappelle der heiligen Barbara. Ende des 19. Jahrhunderts erwarb sie die Familie Trapp. Der Heilige, mit den Erkennungszeichen, die an das Martyrium am Tag von Calliano (10. August) erinnern, trägt die Schutzwaffe von Erzherzog Sigmund. Die technischen Unterschiede in der Ausführung des Gemäldes und der Wappenreihe auf Leinwand in ein und derselben Gedenktafel, sind nur dadurch zu erklären, dass Letztere aus späterer Zeit stammt und der Initiative des Mayr zuzuschreiben ist, an den die Inschrift erinnert: Er ließ die alten Bilder "renovieren", will heißen neu malen. Sowohl stilistische als auch den Geschmack des Auftraggebers betreffende Gründe lassen auf Paolo Naurizio als Bildautor der Tafel schließen, einen gebürtigen Nürnberger, den Erzherzog Ferdinand und die Trapp schätzten, für die er 1583 Incoronazione della Vergine e Santi im Dom von Trient schuf.


Bruno Passamani


Literatur: Gottfried PRIMISSER, Der Venezianische Krieg unter dem Erzherzog Sigmund Grafen zu Tirol 1487. In: Der Sammler für Geschichte und Statistik von Tirol 2 (1806), S. 252-253. – Oswald TRAPP, Erinnerungsstücke an die Schlacht bei Calliano 1487. In: Der Schlern 39 (1965), S. 11-12.