Votivtafel von Ludwig Klingkhammer

Votivtafel von Ludwig Klingkhammer

In: Circa 1500. Leonhard und Paola – Ein ungleiches Paar. De ludo globi – Vom Spiel der Welt. An der Grenze des Reiches. Landesausstellung 2000 – mostra storica in Lienz, Schloß Bruck, in Brixen, Hofburg Brixen und in Besenello, Castel Beseno, Besenello. Veranstaltet vom Land Tirol, der Stadt Lienz u.a. Redaktion Marco Abate u.a. – Mailand: Skira, 2000. – 539. 4°. Illustr., Bibl., Karten Objekt-Nr.: 3-3-3, S. 512. Abbildung S. 477.

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Leihgeber: Prämonstratenserstift Wilten (Innsbruck, Tirol)
Votivtafel von Ludwig Klingkhammer

© Foto Frischauf, Innsbruck


Ende 15. Jahrhundert
Öl auf Tafel, 63 x 55 cm
Tiroler Maler

Am unteren Rand steht: "Ich lüdwig klingkhamer wass geschossen worden mit einem falconpikchss unde rofreyt vor der klüsn in dem fenedige krieg. da rieft ich unser liebe frawe an mit irem lieben khind und dass lieb khindlein von thriendt die haben mir geholfen das ich bey dem leben gebliben und alsbald ich mich zu der müotte gots versprochen da ward mir bass des ich got danckh sagt, anno domini 1487".
Zu den historisch-kritischen Aspekten des Werkes siehe Theopold 1981, S. 48. Weihgeschenk anlässlich des entronnenen Todes in Calliano zu Ehren der Mutter Gottes und des Simon von Trient, der in dieser Ikonographie vollständig mit allen Details abgebildet ist einschließlich dem kleinen Schild mit den Instrumentarien des vermeintlichen Martyriums, das er 1475 durch die Juden erlitten haben soll. Die Gegenstände waren in der St.-Peters-Kirche ausgestellt, Zentrum des Simonkultes und Pfarrei der deutschen Gemeinde in Trient, der das deutsche Spital, die Kappelle der Heiligen Barbara sowie der Sitz der Hauerbruderschaft angegliedert waren. Das erklärt die Verehrung des "lieb khindlein von thriendt" durch den Kriegsmann. Die Tafel ist künstlerisch nicht besonders ausgereift, jedoch ein wertvolles Zeitdokument hinsichtlich der ikonographischen und kulturellen Zusammenhänge sowie der Gesichtszüge, die zwar nur grob dargestellt sind, aber dennoch einen an der Schlacht von Calliano Beteiligten zeigen. Sie ist daher gleichbedeutend mit dem Grabmal des Sanseverino und den Porträts von Hans von Weineck und Gaspare di Künigl in San Giorgetto, Verona. Die Dramatik der kriegerischen Auseinandersetzung erfährt eine zusätzliche Steigerung durch die Wunden des Klinkhammers und des Pferdes, aus denen Blut fließt, sowie die auf dem Boden verstreuten Waffenfragmente.


Bruno Passamani


Literatur: Laura Dal PRÀ, L’immagine di Simone nell’arte trentina dal XV al XVIII secolo. In: Il principe vescovo Johannes Hinderbach fra tardo Medioevo e umanesimo. Atti del Convegno promosso dalla Biblioteca comunale di Trento, 2-6 ottobre 1989 (Bologna 1992), S. 463-464. – W. THEOPOLD, Votivmalerei und Medizin. Kulturgeschichte und Heilkunst im Spiegel der Votivmalerei (München 1981).