Eineinhalbhand-Schwert

Eineinhalbhand-Schwert

In: Circa 1500. Leonhard und Paola – Ein ungleiches Paar. De ludo globi – Vom Spiel der Welt. An der Grenze des Reiches. Landesausstellung 2000 – mostra storica in Lienz, Schloß Bruck, in Brixen, Hofburg Brixen und in Besenello, Castel Beseno, Besenello. Veranstaltet vom Land Tirol, der Stadt Lienz u.a. Redaktion Marco Abate u.a. – Mailand: Skira, 2000. – 539. 4°. Illustr., Bibl., Karten Objekt-Nr.: 3-1-16, S. 499–500.

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Leihgeber: Waffensaal des Rat der Zehn (Venedig, Italien), 773
Eineinhalbhand-Schwert

© Civici Musei di Arte e Storia, Venedig


Um 1490
Venetien
Stahl, Eisen, Leder und Holz

Gefäß mit horizontal flacher Parierstange, die vorne nach innen gebogen ist; gestauchter, viereckiger Knauf mit abgesetzter Mitte; gegossener Griff mit Holz und Leder ummantelt und bearbeitet; sechskantige Klinge mit tiefer Rinne und an der Spitze eingekerbt.
Dieses Schwert ist die klassische Waffe des Fußvolkes und eignet sich für flache, seitliche Hiebe: Auf eineinhalb Hand ausgelegt, d. h. erst im Moment des Schlages wird das Schwert mit beiden Händen geführt. Aufgrund seiner Größe und seines beträchtlichen Gewichtes erfordert es eine ziemlich gute Fechttechnik, wobei der "Haudegen" durch eine Gruppe gedeckt werden sollte, die eine Art Schutzmauer um ihn bildet; aus diesen spezialisierten Korps gingen Anfang des 16. Jahrhunderts die eigentlichen Sondereinheiten der Infanterie hervor, die mit Zweihändern ausgerüstet waren und deren Aufgabe darin bestand, die langen Stiele der gegnerischen Vouges zu kappen und somit den eigenen schweren Reitern entsprechenden Schutz zu geben, damit diese ihren "Auftrag" erfüllen konnten. Das hier abgebildete Exemplar stammt vermutlich aus venezianischer Produktion, da es Teil des Waffensaals im Dogenpalast ist und die Knaufform typisch für italienische Haudegen im Stil der so genannten Schiavona ist.


Francesco Rossi


Literatur: Lionello G. BOCCIA, Eduardo T. COELHO, Armi bianche italiane (Milano 1975), S. 345, Nr. 166.