Italienische Schallern mit Nackenschirm

Italienische Schallern mit Nackenschirm

In: Circa 1500. Leonhard und Paola – Ein ungleiches Paar. De ludo globi – Vom Spiel der Welt. An der Grenze des Reiches. Landesausstellung 2000 – mostra storica in Lienz, Schloß Bruck, in Brixen, Hofburg Brixen und in Besenello, Castel Beseno, Besenello. Veranstaltet vom Land Tirol, der Stadt Lienz u.a. Redaktion Marco Abate u.a. – Mailand: Skira, 2000. – 539. 4°. Illustr., Bibl., Karten Objekt-Nr.: 3-1-14, S. 499. Abbildung S. 484.

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Leihgeber: Museo Civico Medioevale Bologna (Italien), 6
Italienische Schallern mit Nackenschirm

© Fotografia C.N.B. & Co, Bologna


Um 1490
Mailand (?)
Genietete Stahlplatten

Halbkugelförmiges Scheitelstück mit hohem Kamm, an dem seitlich jeweils zwei Rillen entlang laufen, ausgestattet mit einem Hohlröhrchen zur Aufnahme des Steckzapfen für die Helmzier; das sichelförmige Stirnteil ist vorne, den Kamm überlagernd befestigt und mit Ziernieten gesäumt; hinten ist der Nackenschirm aus zwei genieteten Platten befestigt. Die Stirnseite ist geätzt und vergoldet und zeigt die Waffen der Bentivoglio und Torelli.
In den letzten Jahren des 15. Jahrhunderts kennzeichnen die italienische Schallern, die sich allmählich dem deutschen Brauch durch Verlängerungen der Nackenplatte angepasst hat, zwei Merkmale: Das Scheitelstück wird durch das obere Visierteil zum Schutz gegen Schwerthiebe der Reiter verstärkt und der Nackenschirm zu einem ausgefeilten Stück, das den neuen Formen der Kragen und Achseln angepasst wird. Es handelt sich um eines der ersten Beispiele einer Veränderung, die im Verlauf das gesamte Rüstzeug des Soldaten erfassen wird und darauf ausgerichtet ist, einige zu starre und schwere "Platten" durch leichtere und beweglichere zu ersetzen. Im Allgemeinen wurde der Reiterharnisch durch ein "balgenförmiges" Visier zum Schutze des Gesichts ergänzt: nicht umsonst wird die hier gezeigte Schallern heute mit bestimmten – nicht homogenen – Teilen einer leichten Reiterrüstung in Verbindung gebracht, die aus einer späteren Zeit datiert, aber in ihrer Funktion ähnlich ist.


Francesco Rossi


Literatur: Pericle DUCATI, Guida del Museo Civico di Bologna (Bologna 1923), S. 162. – Bruno THOMAS, Ortwin GAMBER, L'arte milanese dell'armatura. In: Storia di Milano. Bd. XI (Milano 1958), S. 756. – Lionello G. BOCCIA, Eduardo T. COELHO, L'arte dell'armatura in Italia (Milano 1967), S. 126, 145. – L' armeria del Museo civico medievale di Bologna. A cura di Lionello Giorgio Boccia ( Busto Arsizio 1991), S. 51-52, Nr. 8.