Brustharnisch mit Schiftebrust für Ritter

Brustharnisch mit Schiftebrust für Ritter

In: Circa 1500. Leonhard und Paola – Ein ungleiches Paar. De ludo globi – Vom Spiel der Welt. An der Grenze des Reiches. Landesausstellung 2000 – mostra storica in Lienz, Schloß Bruck, in Brixen, Hofburg Brixen und in Besenello, Castel Beseno, Besenello. Veranstaltet vom Land Tirol, der Stadt Lienz u.a. Redaktion Marco Abate u.a. – Mailand: Skira, 2000. – 539. 4°. Illustr., Bibl., Karten Objekt-Nr.: 3-1-4, S. 495.

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Leihgeber: Palazzo Venezia (Rom, Italien) Sammlung Odescalchi, 791
Brustharnisch mit Schiftebrust für Ritter

© Ghelardini Strona, Rom


1480-1490
Mailand (?)
Genietete Stahlplatten

Brustharnisch mit Kassettenrand an Kragen und Achseln, verstärkt durch eine spitz zulaufende, gerippte Schiftebrust, die in eine Auskragung übergeht, die den Plattenschurz mit drei Bauchreifen aufnimmt (der unterste mit einer Vertiefung am Scheitelpunkt). Konkaver Rüsthaken auf halbrunder Grundplatte, nachträglich hinzugekommen.
Im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts wird der Brustschutz durch die Einführung einer Schiftebrust ausgefeilter, welche die Bauchplatte verstärkt, fast bis zum Kragen geht und somit den Schutz verbessert, aber das Gewicht nicht unnötig steigert. Die Brust ist gerippt, um eine erhöhte Stoßfestigkeit zu gewährleisten und endet mit einer Auskragung zur Aufnahme des Plattenschurzes zum Schutze der Hüften: Bei Ganzkörperharnischen werden die Beintaschen an diesen Plattenschurz angehängt.
In diesem Fall handelt es sich allerdings um einen Halbharnisch für Fußsoldaten, der erst später mit einem Rüsthaken für einen Ritter versehen wurde: Die Tatsache, dass dieser Rüsthaken nach außen gebogen ist – typisch für die deutsche Kavallerie – passt zu der ziemlich stark verlängerten Schiftebrust und lässt eher auf eine venezianische als auf eine Mailänder Schmiede schließen. Am Kragen befinden sich zudem zwei Prägestempel (gekreuzter Sparren und lateinisches Kreuz), die aus dem Mailänder Umfeld nicht bekannt sind.


Francesco Rossi


Literatur: Le armi odescalchi. Roma Palazzo Venezia 1969. Catalogo a cura di Nolfo di Carpegna (Roma 1969), S. 21, Nr. 103.