Simon von Trient

Simon von Trient

In: Circa 1500. Leonhard und Paola – Ein ungleiches Paar. De ludo globi – Vom Spiel der Welt. An der Grenze des Reiches. Landesausstellung 2000 – mostra storica in Lienz, Schloß Bruck, in Brixen, Hofburg Brixen und in Besenello, Castel Beseno, Besenello. Veranstaltet vom Land Tirol, der Stadt Lienz u.a. Redaktion Marco Abate u.a. – Mailand: Skira, 2000. – 539. 4°. Illustr., Bibl., Karten Objekt-Nr.: 2-20-10, S. 403. Abbildung S. 289.

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Leihgeber: Diözesanmuseum Brixen (Südtirol)
Simon von Trient

© Tappeiner AG, Lana


Um 1495
Werkstatt des Hans Klocker
Basrelief, gefasstes Holz, 52,5 x 30 cm

Das Werk aus der Werkstatt des Hans Klocker gehört zu der Serie von Darstellungen des kleinen Simon von Trient, aber auch zu den unzähligen Bildern der Kinder, die fälschlicherweise für Märtyreropfer der Juden gehaltenen wurden. Martyrien dieser Art wiederholten sich in Tirol zwei Mal, und zwar 1442 in Lienz mit der kleinen Ursula Pöck und 1462 in Rinn, unweit von Innsbruck, mit dem kleinen Andreas Oxner. Für diese eventuellen Fälle von Pädophilie machte man zu Unrecht die Juden verantwortlich, die dafür verfolgt, verbannt oder verurteilt wurden. Das Echo des Falls von 1475 in Trient nahm schnell und beabsichtigt gigantische Dimensionen an, und fünf Monate nach dem Tod des kleinen Simon veranlasste der Bischof von Trient, Johannes von Hinderbach, die Niederschrift und den Druck des ersten Buchs über diesen Vorfall, das mit ebenso diffamierenden wie phantastischen Stichen illustriert war. Die Ikonographie und insbesondere der Kult um den kleinen Simon verbreiteten sich schnell bis in die entlegendsten Winkel und erwiesen sich als unfehlbares Instrument der antijüdischen Propaganda. Auffällig ist bei der Betrachtung des Basreliefs neben den vielen blutigen Schnittwunden des Kindes seine Gewandung in den Purpurmantel Christi, das erhobene Siegeszeichen und die auf dem Schild liegenden Werkzeuge des Martyriums. Der hinterlistige Vergleich mit Christus liegt angesichts dieser Attribute auf der Hand. Inmitten dieser Anordnung ist zu lesen: "ich ehlents kind dem von den Juden hab ich die marter mein". Triumphierend tanzt der Knabe auf den Köpfen von Tobias, Moses und Samuel, die zu Unrecht beschuldigt und niedergemetzelt wurden.


Rosanna Pruccoli


Literatur: D. RIGAUX, L’immagine di Simone di Trento nell’arco alpino lungo il secolo XV: un tipo iconografico? In: Il principe vescovo Johannes Hinderbach fra tardo Medioevo e umanesimo. Atti del Convegno promosso dalla Biblioteca comunale di Trento, 2-6 ottobre 1989 (Bologna 1992).