Kreuztragung Christi

Kreuztragung Christi

In: Circa 1500. Leonhard und Paola – Ein ungleiches Paar. De ludo globi – Vom Spiel der Welt. An der Grenze des Reiches. Landesausstellung 2000 – mostra storica in Lienz, Schloß Bruck, in Brixen, Hofburg Brixen und in Besenello, Castel Beseno, Besenello. Veranstaltet vom Land Tirol, der Stadt Lienz u.a. Redaktion Marco Abate u.a. – Mailand: Skira, 2000. – 539. 4°. Illustr., Bibl., Karten Objekt-Nr.: 2-20-6, S. 402. Abbildung S. 288.

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Leihgeber: Diözesanmuseum Brixen (Südtirol)
Kreuztragung Christi

© Tappeiner AG, Lana


Um 1460
Leonhard von Brixen
Tempera auf Holz, 93 x 90 cm

"Als sie Christus hinausführten, ergriffen sie einen Mann aus Zyrene namens Simon, der gerade vom Feld kam. Ihm luden sie das Kreuz auf, damit er es hinter Christus hertrage. Es folgte eine große Menschenmenge [...]" (Lukas 23,26)
Die Tafel, die zum Altar der Peterskirche von Velturns gehörte, ist auch auf der Rückseite mit einer Szene aus dem Leben Petri bemalt. Es handelt sich um ein kostbares Beispiel der Kunst des Meisters Leonhard von Brixen.
Es ist bezeichnend, dass der Maler zur Konnotation des Simon von Zyrene das Gewand wählte, das bereits in der mittelalterlichen Ikonographie zur Identifikation der Juden diente.
Die Ursprünge dieser Ikonographie liegen in den Anordnungen des IV. Laterankonzils von 1215, in dem Papst Innozenz III. die Juden anwies, sich durch unterschiedliche Kleidung von den Christen abzugrenzen, sei es durch einen Spitzhut, ein Band oder einen gelben Kreis. Das Stereotyp vom Juden schlug sich als Folge davon in der als Levantine bezeichneten Bekleidungsform nieder, die aus einem langen Gewand, das in der Taille von einem Gürtel zusammengehalten wurde, und dem gelben, konisch geformten Spitzhut bestand.


Rosanna Pruccoli


Literatur: Dan COHN-SHERBOK, Storia degli ebrei (Casale Monferrato 1998). – Heinz SCHRECKENBERG, Die Juden in der Kunst Europas. Ein historischer Bildatlas (Göttingen u.a. 1996).