Neunarmiger Leuchter mit Flachziegeldekoration

Neunarmiger Leuchter mit Flachziegeldekoration

In: Circa 1500. Leonhard und Paola – Ein ungleiches Paar. De ludo globi – Vom Spiel der Welt. An der Grenze des Reiches. Landesausstellung 2000 – mostra storica in Lienz, Schloß Bruck, in Brixen, Hofburg Brixen und in Besenello, Castel Beseno, Besenello. Veranstaltet vom Land Tirol, der Stadt Lienz u.a. Redaktion Marco Abate u.a. – Mailand: Skira, 2000. – 539. 4°. Illustr., Bibl., Karten Objekt-Nr.: 2-20-3, S. 400. Abbildung S. 401.

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Leihgeber: Museo Ebraico Florenz (Italien)
Neunarmiger Leuchter mit Flachziegeldekoration

© Museo Ebraico Florenz


17. Jahrhundert
Gussbronze 8 x 25,5 cm

Bei der Channucchia handelt es sich um den neunarmigen Leuchter, der während der acht Tage des Channukkà, des Weihefestes, angezündet wird. Das Fest wurde von den Lehrmeistern in Erinnerung an die neuerliche Weihe des Tempels nach dem Sieg der Makkabäer über die Hellenen ins Leben gerufen. Zwischen 168 und 165 v. Chr. hatte Antiochos IV. Epifane auf israelischem Boden eine Politik der Hellenisierung vorangetrieben; er versuchte, in Jerusalem eine Stätte griechischer Politik zu errichten, plünderte den Tempel und weihte ihn Zeus und den griechischen Gottheiten. Ihm widersetzten sich die Makkabäer, die tapfer für die Verteidigung ihres Lands, ihrer Freiheit und ihres Glaubens kämpften. Das Fest, bei dem es in erster Linie um die Erinnerung an die erneute Weihe des Tempels von Jerusalem im Jahr 165 und nicht um das Heldentum der Soldaten geht, beginnt am 25 des Kislev (Monat des lunisolaren jüdischen Kalenders zwischen November und Dezember). Jeden Abend bei Sonnenuntergang entzündet das Familienoberhaupt von rechts nach links ein neues Licht, so dass am achten Tag die ganze Lampe leuchtet. Das Anzünden der Lichter erinnert an das Wunder des Ölfläschchens, das von den Makkabäern versiegelt und unberührt im Tempel vorgefunden wurde: das eigentlich nur für einen Tag bestimmte Ölfläschchen reichte acht Tage.
Die vorliegende, architektonisch geformte Wandlampe ziert ein flachziegelartiges Dekor nach orientalischem Geschmack. An dem festonierten und durchbrochenen Aufsatz befinden sich die neun Ölschälchen. Repliken dieser Typologie finden sich seit dem 15. Jahrhundert, doch geht dieses Exemplar wahrscheinlich auf das 16. Jahrhundert zurück, als Gegenstände dieser Art in Gebieten Norditaliens hergestellt wurden.


Rosanna Pruccoli


Literatur: Elia S. ARTOM, La vita di Israele (Rom 1993). – A. SEGRE, Purim (Rom 1980). – Scialom BAHBOUT, Ebraismo (Firenze 1996). – D. LISCIA, L’arte cerimoniale ebraica all’epoca del ghetto. In: AA.VV., Duemila anni di vita ebraica in Italia (Mailand 1990).