Gebetbuch der Veronika von Neideck

Gebetbuch der Veronika von Neideck

In: Circa 1500. Leonhard und Paola – Ein ungleiches Paar. De ludo globi – Vom Spiel der Welt. An der Grenze des Reiches. Landesausstellung 2000 – mostra storica in Lienz, Schloß Bruck, in Brixen, Hofburg Brixen und in Besenello, Castel Beseno, Besenello. Veranstaltet vom Land Tirol, der Stadt Lienz u.a. Redaktion Marco Abate u.a. – Mailand: Skira, 2000. – 539. 4°. Illustr., Bibl., Karten Objekt-Nr.: 2-19-5, S. 396. Abbildung S. 287.

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Leihgeber: Priesterseminar Brixen (Südtirol), Bibliothek, T5
Gebetbuch der Veronika von Neideck

© Rotter Josef, Bozen


Um 1500
Handschrift mit Miniaturmalereien auf Pergament, 16,6 x 13 cm

Das aus 105 Pergamentblättern bestehende Buch enthält volkstümliche Gebete, das Vater Unser, das Ave-Maria und alle mit dem Marienkult in Verbindung stehenden Gebete. Die handgeschriebenen Seiten zeigen mit Miniaturen geschmückte Anfangsbuchstaben, bei denen es sich um zweitrangige, Blumen, Früchte und kleine Vögel nachbildende Dekorationen handelt. Bemerkenswert ist unter den zahlreichen ganzseitigen Heiligenbildern die Ikonographie einer Pilgerin (folio 22v) und die der Schmerzensjungfrau (folio 9v) mit dem das Herz durchbohrenden Schwert anstelle der sieben Attribute, die zum Kanon der darauffolgenden barocken Ikonographie werden sollten.
Veronika selbst ist die Auftraggeberin des kostbaren Textes. Als Schwester jenes Georg von Neideck, der Bischof von Trient war, war sie eine gebildete Frau. Das zeigen zahlreiche schwierige Passagen, aber auch der Versuch, einige im Text erwähnte jüdische Wörter auf Blatt 4r mit dem Titel Hebreisch umzuschreiben. In ihrem Gebetsbuch hinterließ Veronika auch eine Art geistiges Testament.
Die erste Seite zeigt sie selbst, erkennbar an dem Familienwappen um ihren Hals, während sie die Wappen ihrer zwei Ehemänner in den Händen hält: Christoph von Welsberg, gestorben am 11. März 1508, zu ihrer Linken, und Christoph von Thun, gestorben am 27. August 1528, zu ihrer Rechten. Auf der freien Seite nach dem Blatt, auf dem Veronika die Todestage ihrer Lieben vermerkt hat, notiert sie ein köstliches Rezept für ein gebratenes Kaninchen.
Unter den Notizen zu den bedeutenden Festtagen findet sich ihr Namenstag am 19. August an erster Stelle; darunter ermahnt sie sich selbst, nicht auf das dem 8. Dezember vorausgehende Fasten zu vergessen. Darüber hinaus versäumt sie es nicht, die Ausgaben für die Messen, die auf ihren Wunsch gefeiert wurden, zu notieren. Schließlich kennzeichnet Veronika noch die speziellen Gebete in Zusammenhang mit dem Sündenablass.


Rosanna Pruccoli