Bildnis des Sigmund Gruber

Bildnis des Sigmund Gruber

In: Circa 1500. Leonhard und Paola – Ein ungleiches Paar. De ludo globi – Vom Spiel der Welt. An der Grenze des Reiches. Landesausstellung 2000 – mostra storica in Lienz, Schloß Bruck, in Brixen, Hofburg Brixen und in Besenello, Castel Beseno, Besenello. Veranstaltet vom Land Tirol, der Stadt Lienz u.a. Redaktion Marco Abate u.a. – Mailand: Skira, 2000. – 539. 4°. Illustr., Bibl., Karten Objekt-Nr.: 2-18-4, S. 389. Abbildung S. 279.

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Leihgeber: Privatbesitz
Bildnis des Sigmund Gruber

© Speelingfoto Köln


Vor 1520
Marx Reichlich
Zirbelholz, 40,5 x 32 cm (am linken Rand unten Ergänzung eines 2-3cm breiten Brettchens mit einer Lälnge von 20 cm).
Auf dem Brief die teilweise lesbare Adresse "Dem Ed.../ Sigm(u)nd / brixschem". Auf dem Siegelring der bekrönte Wappenschild der Gruber: auf goldenem Grund ein weiß-schwarz-rot geteilter Balken

Das Porträt wurde von Ringler (1929) in die Gruppe um das Angerer-Bildnis eingefügt und auf Sigmund Han von Hanberg bezogen. Egg (1960) stellte die Identität des Dargestellten richtig. Der im Dreiviertelprofil nach links gezeigte circa 35-jährige Sigmund Gruber trägt über Hemd und Wams eine kostbare Damastschaube mit Pelzüberschlag. Seine goldene Netzhaube, der ostentativ präsentierte Siegelring mit dem bekrönten Wappen und das fragmentierte Prädikat des "Edlen" in der Adresse des Briefs in seiner Rechten weisen ihn als einen in den Brixener Hochstiftsadel aufgestiegenen Bürger aus. Innerhalb des Gesamtwerks Reichlichs zeigt das Stifterbildnis des Florian Waldauf von Waldenstein (Waldauf-Altar; Hall Stadtmuseum) eine enge Übereinstimmung der Mittel der Charakterisierung. Das im Vergleich zu den Halbeck-Bildnissen lebhaftere Helldunkel legt eine Entstehung vor 1520 nahe.
Sigmund Gruber war der Sohn des Brixner Bürgers Christoph Gruber. Schon der Vater bekleidete wichtige Funktionen in der Stadt (Spitalmeister des Heiliggeistspitals 1467-1477, Bürgermeister 1469) und in bischöflichen Diensten (Verweser des Stadtgerichts 1484, Sprecher bzw. Beisitzer im Hofgericht 1487 und 1495), worin sich die Annäherung an den niederen Adel des Hochstifts spiegelt. Auf feudale Lebensmuster deutet auch die Besitzstruktur. Neben mehreren Stadthäusern besaß er als Lehen des Hochstifts Brixen und der Tiroler Landesfürsten zahlreiche landwirtschaftliche Objekte.
Der Besitzstand ging nach Christophs Tod an Sigmund über. Dieser trat auch hinsichtlich seiner öffentlichen Funktionen (Verweser des Heiliggeistspitals 1514-1521) und seines gesellschaftlichen Rangs (häufige Besiegelung von Urkunden nicht siegelfähiger fremder Aussteller) in die Fußstapfen des Vaters. Das seit 1512 nachweisbare Epitheton "der edl vest", zu dem Funktionen im Hofgericht ebenso gehörten wie städtische Ämter , steht für die Zugehörigkeit zum niederen Adel des Hochstifts. Er starb vor dem 29. April 1522.


Lukas Madersbacher, Erika Kustatscher


Literatur: Josef RINGLER, Der Meister des Angererbildnisses. In: Cicerone 21(1929), S. 666. – Erich EGG, Marx Reichlich und der Meister des Angrer-Bildnisses. In: Zeitschrift für Kunstwissenschaft 14 (1960), S. 10ff. – Gert AMMANN, Spätgotik in Tirol. Malerei und Plastik von 1450 bis 1530. In: Katalog der Wechselausstellung der Österreichischen Galerie (Wien 1973), S. 75f. – Lukas MADERSBACHER, Marx Reichlich und der Meister des Angrerbildnisses (Innsbruck 1994), S. 147f. – Helmut FLACHENECKER, Geistlicher Stadtherr und Bürgerschaft. Zur politischen Führungsschicht Brixens am Ausgang des Mittelalters. In: Stadt und Kirche. Monsignore Dr. Iginio Rogger gewidmet. Hrsg. und red. von Franz-Heinz Hye (= Beiträge zur Geschichte der Städte Mitteleuropas 13, Linz 1995), S. 101, S. 105, S. 112.