Missale

Missale

In: Circa 1500. Leonhard und Paola – Ein ungleiches Paar. De ludo globi – Vom Spiel der Welt. An der Grenze des Reiches. Landesausstellung 2000 – mostra storica in Lienz, Schloß Bruck, in Brixen, Hofburg Brixen und in Besenello, Castel Beseno, Besenello. Veranstaltet vom Land Tirol, der Stadt Lienz u.a. Redaktion Marco Abate u.a. – Mailand: Skira, 2000. – 539. 4°. Illustr., Bibl., Karten Objekt-Nr.: 2-16-17, S. 377. Abbildung S. 275.

Zum Anfang   Zurück   Vorwärts   Zum Ende

Fenster schließen


Leihgeber: Priesterseminar Brixen (Südtirol), Bibliothek, F I 13
Missale

© Rotter Josef, Bozen


1511
Basel, Druck, 35,6 x 57cm

Der Brixner Fürstbischof Christoph von Schrofenstein teilte am 7. April 1511 dem Klerus seiner Diözese mit, dass er, um die Synodalbeschlüsse zu realisieren, auch die liturgischen Bücher erneuern und dies mit einem neuen Missale beginnen wolle. Der Druck wurde auf Kosten des Augsburger Bürgers und Buchhändlers Johann Oswaldt bestritten und am 3. August 1511 in der Druckerwerkstatt des Meisters Jakob von Pforzheim in Basel beendet, nachdem Meister Blasius Forner die Korrektur besorgt hatte. Der Text des Messbuchs ist in zwei Kolumnen zu 39 Zeilen gesetzt. Das handkolorierte Titelblatt im Exemplar der Bibliothek des Priesterseminars von Brixen F I 13 auf folio 2r ist noch nach dem Schema im Missale des Fürstbischofs Melchior von Meckau gestaltet. Auch hier erscheinen oben die Dompatrone Maria, Petrus und Paulus, darunter die Wappen des Bistums, des Fürstbistums bzw. Domkapitels und das Familienwappen des Fürstbischofs Christoph von Schrofenstein sowie darunter die Bistumspatrone Kassian, Ingenuin und Albuin. Hier machen die Darstellungsweise und die ins Bild ragenden Architekturelemente deutlich, dass inzwischen die Spätgotik verabschiedet war und die Renaissance ihren Einzug gehalten hatte. Auf folio 2v erscheint nach dem Ankündigungstext noch einmal das Wappen des Fürstbischofs Christoph von Schrofenstein, hier jedoch mit viergeteiltem Schild: rechts oben das Bistum Brixen, links unten das Fürstentum Brixen, links oben und rechts unten das Wappentier der Familie von Schrofenstein, über dem Wappenschild die Mitra mit dem diagonal eingestellten Pastorale. Das Wappen hebt sich gegen das sternenbesetzte Firmament ab und ruht auf einem grünen Rasen. Der Blick in die Ferne wird durch einen auf zwei Säulen aufruhenden Segmentbogen beschränkt, und alles wird von einem grünen Rahmen eingefasst. Auf dem ersten Werkstück links am steinernen Segmentbogen fügte der Illustrator winzig klein das Wappenbild von Basel ein. Die Holzschnitte dieses Messbuches werden dem Monogrammisten DS zugeschrieben.


Eduard Scheiber

Gehe zu: Missale Brixinense