Missale Brixinense

Missale Brixinense

In: Circa 1500. Leonhard und Paola – Ein ungleiches Paar. De ludo globi – Vom Spiel der Welt. An der Grenze des Reiches. Landesausstellung 2000 – mostra storica in Lienz, Schloß Bruck, in Brixen, Hofburg Brixen und in Besenello, Castel Beseno, Besenello. Veranstaltet vom Land Tirol, der Stadt Lienz u.a. Redaktion Marco Abate u.a. – Mailand: Skira, 2000. – 539. 4°. Illustr., Bibl., Karten Objekt-Nr.: 2-16-10, S. 375. Abbildung S. 273.

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Leihgeber: Priesterseminar Brixen (Südtirol), Bibliothek, A II 11
Missale Brixinense

© Rotter Josef, Bozen


1493
Augsburg
Druck, 36 x 25 cm

Am 12. November 1492 kündigte der Brixner Fürstbischof Melchior von Meckau dem Klerus seiner Diözese den Druck des von ihm beim Augsburger Buchdrucker Erhard Ratdolt in Auftrag gegebenen Missale an. Erhard Ratdolt, der früher eine Druckerei in Venedig geführt und dann eine in Augsburg eröffnet hatte, beendete diesen Druck am 17. August 1493, nachdem er vom Meister Sixtus Haugen durchgesehen und verbessert worden war. Am Schluss des Missale erscheint das Wappen des Buchdruckers Erhard Ratdold. Da der Ritter Florian Waldauf zu Waldenstein dem Fürstbischof diesen Buchdrucker empfohlen hatte, wurde auch dessen Wappen nach dem Kalendarium eingebunden. Außer dem Kanonbild mit der Kreuzesszene erregt vor allem das Bild auf folio 1v die Aufmerksamkeit des Betrachters. Hier werden die Dompatrone von Brixen, Maria als Königin mit dem Kind sowie Petrus und Paulus in der obersten Ebene, das Bistumswappen von Brixen (das Osterlamm mit der Siegesfahne), das Wappen des Fürstentums Brixen (der Adler mit dem quergelegten Pedum), dessen sich dann auch das Domkapitel bediente, und das Familienwappen des Fürstbischofs Melchior von Meckau (drei senk, rechte Mehlschaufeln) in der mittleren Ebene, sowie in der unteren Ebene die Diözesanpatrone Kassian mit Märtyrerpalme, Ingenuin mit geöffnetem Buch und Albuin mit geschlossenem Buch dargestellt. Für den Normalgebrauch wurde dieses Missale auf Papier gedruckt. Hier liegt uns ein Prachtexemplar auf Pergament vor, dessen Holzschnitte noch ganz in der Art der frühen handschriftlichen Kodizes von Hand koloriert und mit aufwendigem Goldgrund unterlegt sind. Diese seltene Prachtausgabe in der Bibliothek des Priesterseminars von Brixen A II 11 wurde im Jahr 1799 vom Archivar Franz Gaßler in Innsbruck dem Hof- und Seminarbibliothekar Jakob Plaikner übergeben.


Eduard Scheiber

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