Maximilian I. als heiliger Georg

Maximilian I. als heiliger Georg

In: Circa 1500. Leonhard und Paola – Ein ungleiches Paar. De ludo globi – Vom Spiel der Welt. An der Grenze des Reiches. Landesausstellung 2000 – mostra storica in Lienz, Schloß Bruck, in Brixen, Hofburg Brixen und in Besenello, Castel Beseno, Besenello. Veranstaltet vom Land Tirol, der Stadt Lienz u.a. Redaktion Marco Abate u.a. – Mailand: Skira, 2000. – 539. 4°. Illustr., Bibl., Karten Objekt-Nr.: 2-15-6, S. 371.

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Leihgeber: Universitätsbibliothek Innsbruck (Tirol), Sammlung Roschmann, I, Blatt 100
Maximilian I. als heiliger Georg

© Rotter Josef, Bozen


Um 1520
Daniel Hopfer, monogrammiert
Eisenradierung, 22 x 15,5 cm (Blattgröße: 22,8 x 15,7 cm)

Es handelt sich bei dem vorliegenden Blatt um ein sakrales Identifikationsporträt, genauer um ein "verkleidetes Bildnis", das – ideal gedacht – in Umkehrung der Funktionsweise des mittelalterlichen Kryptoporträts, ein selbständig vorgeprägtes Bildnis durch diverse Attribute sekundär zum Heiligenbild überhöht. Man hat Maximilian als Urheber dieses neuzeitlichen Typus gesehen. Es ist jedoch fraglich, ob die Radierung im Auftrag bzw. noch zu Lebzeiten Maximilians entstand, zumal sie Teil einer Reihe gewesen sein dürfte, von der lediglich ein heiliger Sigismund erhalten ist. In jedem Fall aber stellt sie das erste Beispiel eines über das Medium der Druckgraphik verbreiteten Identifikationsporträts dar.
Maximilians Verehrung des miles christianus– angeregt sowohl durch seinen Schwiegervater Karl den Kühnen und die burgundische Georgsverehrung wie durch seinen Vater Friedrich III., der 1467 einen Georgs-Ritterorden gegründet hatte und ursprünglich seinen Sohn nach diesem Heiligen taufen wollte – muss in Zusammenhang mit seinem Ziel gesehen werden, einen christlichen Kreuzzug gegen die Osmanen anzuführen. Eine Idee, die keine politische Umsetzung, aber umso deutlicheren Niederschlag in der Kunst fand. Eine ganze Reihe der Projekte des Kaisers steht in direktem Bezug zum Georgsthema beziehungsweise dem Georgs-Orden (Friedhuber 1984, 14ff.).


Leo Andergassen


Literatur: Friedrich B. POLLEROSS, Das sakrale Identifikationsporträt. Ein höfischer Bildtypus vom 13. bis zum 20. Jahrhundert. 2 Bde (= Manuskripte zur Kunstwissenschaft in der Wernerschen Verlagsgesellschaft 18, Worms 1988), 37f., 270ff. – Pokorny In: Hispania – Austria. Arte intorno al 1492 i Re Cattolici, Massimiliano I e gli inizi della Casa d'Austria in Spagna. 3. luglio - 20. settembre 1992, Innsbruck, Castello di Ambras, Kunsthistorisches Museum ; questa mostra si svolge nell'ambito del programma di cooperazione culturale tra la Spagna e l'Austria in occasione del 1992. Katalog (Milano 1992), S. 347, Kat. Nr. 160. – Inge FRIEDHUBER, Maximilian I. und der St. Georgs-Ritterorden. In: Symposium zur Geschichte von Milstatt und Kärnten (1984).