Verkündigung mit Kryptoporträt Kaiser Maximilians I.

Verkündigung mit Kryptoporträt Kaiser Maximilians I.

In: Circa 1500. Leonhard und Paola – Ein ungleiches Paar. De ludo globi – Vom Spiel der Welt. An der Grenze des Reiches. Landesausstellung 2000 – mostra storica in Lienz, Schloß Bruck, in Brixen, Hofburg Brixen und in Besenello, Castel Beseno, Besenello. Veranstaltet vom Land Tirol, der Stadt Lienz u.a. Redaktion Marco Abate u.a. – Mailand: Skira, 2000. – 539. 4°. Illustr., Bibl., Karten Objekt-Nr.: 2-15-4, S. 370–371. Abbildung S. 270.

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Leihgeber: St. Veit am Tartscher Bühel (Südtirol)
Verkündigung mit Kryptoporträt Kaiser Maximilians I.

© Rotter Josef, Bozen


1514
Werkstatt Ivo Strigel (signiert), Hans Goldschmid (monogrammiert), datiert Flügelaußenseiten (geschlossener Zustand) des Altars aus St. Veit am Tartscher Bühel, 176 x 162 cm (Schrein)
Auf dem Band in der Schachtel im Schrank des Verkündigungsbilds: H.G. 1514. Auf der Schreinrückseite: HOC DIVINVUM OPVS DE MANV MGR. YVONIS STRIGILIS EX MEMINGEN PRODUCTVM EST ANNO 1514.
Inschriftenbänder: Engel: Ave gratia plena Dominu(s) tecum (Lukas 1,28); Maria: Ecce Ancilla Domini fiat mihi secundum verbum tuum (Lukas 1,38).

Der der Memminger Werkstatt Ivo Strigels entstammende Altar wurde angeblich erst 1580 aus dem Engadin (aus einem der zu Tirol gehörenden Gebiete?) überführt. Die von Strigels Schwiegersohn Hans Goldschmid geschaffene Verkündigungsszene vertritt hier die Rezeptiondes Maximilian-Bildnisses in Form sakraler Identifikationsporträts. Der Verkündigungsengel (Gabriel) trägt die Züge Maximilians. Goldschmid, der sich stilistisch an Ivos Neffen (Sohn?) Bernhard Strigel orientierte, hat sie dessen Maximilian-Bildnissen nachempfunden. Die Adler und Löwen der Bodenfliesen dürften sich heraldisch auf die Herrschaft Maximilians beziehen: der Löwe auf Habsburg, der einköpfige Adler auf das Reich (Maximilian führte seit 1508 den doppelköpfigen Kaiseradler) oder auf Tirol. Die göttliche Sendung des Engels zu Maria, die "Wohnung Gottes", wird damit gleichsam typologisch auf die göttliche Sendung Maximilians in seinen "Herrschafts-Raum" übertragen und das Gottesgnadentum des "vicarius Christi" heilsgeschichtlich aus der Inkarnation hergeleitet. Wenngleich die Identifikation mit dem Verkündigungsengel kaum Vorläufer in der Tradition des herrscherlichen Kryptoporträts zu haben scheint (Polleross 1988), entspricht dessen Mittlerfunktion zwischen göttlicher und menschlicher Sphäre einer Grundtendenz, wie sie gerade für die Bildnisse Maximilians in sakralem Kontext festgestellt wurde (Eisenbeiß 1998).


Lukas Madersbacher


Literatur: Gisela SCHEFFLER, Hans Klocker. Beobachtungen zum Schnitzaltar der Pacherzeit in Südtirol (=Schlern-Schriften 248, Innsbruck 1967), S. 310ff. – Erich Egg, Spätgotik in Tirol. Die Flügelaltäre (Innsbruck 1985), S. 366f.