Geburt Christi

Geburt Christi

In: Circa 1500. Leonhard und Paola – Ein ungleiches Paar. De ludo globi – Vom Spiel der Welt. An der Grenze des Reiches. Landesausstellung 2000 – mostra storica in Lienz, Schloß Bruck, in Brixen, Hofburg Brixen und in Besenello, Castel Beseno, Besenello. Veranstaltet vom Land Tirol, der Stadt Lienz u.a. Redaktion Marco Abate u.a. – Mailand: Skira, 2000. – 539. 4°. Illustr., Bibl., Karten Objekt-Nr.: 2-14-14a, S. 366–367. Abbildung S. 265.

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Leihgeber: Franziskanerhospiz Brixen (Südtirol)
Geburt Christi

© Rotter Josef, Bozen


Um 1490
Werkstatt Hans Klockers
Holzrelief, 140 x 124,3 (+ 69) cm


Weiters ausgestellt waren: Geburt Christi, um 1500 Werkstatt Hans Klockers Holzrelief, 72 x 77 cm Diözesanmuseum Brixen (Südtirol) – aus Zinggen bei Brixen) Geburt Christi, um 1490 Werkstatt Hans Klockers Holzrelief, 85 x 77cm Diözesanmuseum Brixen (Südtirol)

Die ausgestellten Geburt-Christi-Reliefs mit der Anbetung des Kindes nach der Vision der heiligen Brigitta gehen auf unterschiedliche Schnitzaltäre Südtirols zurück und können aus stilistischen Gründen mit der im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts vielbeschäftigten Brixner Werkstätte Hans Klockers in Zusammenhang gebracht werden. Die Grundkomposition bleibt gleich: die axiale Anordnung Marias und Josephs links sowie die Gruppe der Engel um das Christenkind rechts lassen klar die Abhängigkeit vom Stich L. 23 des Meisters E. S. erkennen, doch dürfte es sich dabei um keine direkte Nachahmung der Vorlage gehandelt haben. Deutliche Übereinstimmungen existieren nur bei den Engeln. Ansonsten zeigen sich beträchtliche Divergenzen sowohl bei den Hauptfiguren als auch bei der Inszenierung selbst. Die Muttergottes der beiden Brixner Reliefs (3b, 3c) entspricht der Figur im Stich von Martin Schongauer (B. 4), der eine neue Auffassung in der Haltung der Hände und der Anordnung des Mantels auf dem Rücken und mit dem Gewandsaum auf dem Boden einführte, auf dem das Kind liegt, während Joseph (im ersten Fall mit der Blechlampe und im zweiten mit der Kerze, die fehlt) eine damals sehr verbreitete Figur niederländischen Ursprungs wiederholt. Freie Kombinationen der Geburt Christi nach den erwähnten Blättern des Meisters E. S. und Martin Schongauers sind in der deutschen Kunst seit ca. 1470 häufig anzutreffen. Ferner scheint es, dass in den großen süddeutschen Schnitzerwerkstätten die E. S.-Vorlagen nicht mehr direkt kopiert, sondern in sekundär verarbeiteten Varianten in Form von Werkstattmustern tradiert wurden, wie sie sich auch in den Alpenregionen niedergeschlagen haben.


Janez Höfler