Urkunde mit Judenring

Urkunde mit Judenring

In: Circa 1500. Leonhard und Paola – Ein ungleiches Paar. De ludo globi – Vom Spiel der Welt. An der Grenze des Reiches. Landesausstellung 2000 – mostra storica in Lienz, Schloß Bruck, in Brixen, Hofburg Brixen und in Besenello, Castel Beseno, Besenello. Veranstaltet vom Land Tirol, der Stadt Lienz u.a. Redaktion Marco Abate u.a. – Mailand: Skira, 2000. – 539. 4°. Illustr., Bibl., Karten Objekt-Nr.: 2-20-15, S. 404. Abbildung S. 290.

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Leihgeber: Tiroler Landesarchiv (Innsbruck, Tirol), Pestarchiv, 9 XXIX / 37
Urkunde mit Judenring

© Rotter Josef, Bozen


1551
Tinte auf Papier, 32,7 x 48 cm

Der junge Erzherzog Ferdinand übernahm 1522, drei Jahre nach dem Tod von Maximilian I., die Regentschaft über Tirol. Die Lage in diesem Gebiet war problematisch und man sah schwierigen Zeiten entgegen. Ferdinand aber, wie auch sein berühmterer Bruder Karl V., hatte nicht nur keinerlei Kenntnis von dem Land und seiner Problematik, sondern entbehrte auch in Theologie und Deutsch gleichermaßen jeglicher Grundlage. Es blieb ihm also nichts anderes übrig, als auf seine Berater zu vertrauen. Zu seinem Gefolge zählte in der Eigenschaft des Schatzmeisters der spanische Jude Gabriel Salamanca. Wie sein Herr war er mit Tirol und der dortigen Bevölkerung, die ihm gegenüber sofort eine feindliche Haltung einnahm, nicht vertraut. Aus diesem Grund und infolge des 1525 ausgebrochenen Bauernaufstands verließ Salamanca Tirol schon bald.
1551 ließ Erzherzog Ferdinand die Anordnung veröffentlichen, der zufolge sich jeder Jude unverzüglich durch den gelben Stoffkreis als solcher zu erkennen geben musste. Das Stoffzeichen mit einem Durchmesser von 9 Zentimeter war gut sichtbar an der Kleidung zu tragen. Auf der Handschrift war sogar eine farbige Illustration des Zeichens abgebildet. Von der Kennzeichnungspflicht befreit waren einzig vom Landesfürsten auserwählte Juden. Diese Anordnung wurde in die Landesordnung von 1573 aufgenommen.


Rosanna Pruccoli


Literatur: Gad Hugo SELLA, Die Juden Tirols. Ihr Leben und Schicksal (Tel-Aviv 1979). – Maria-Luise STEINER, "Wir werden den Juden schon eintunken!". In: Sturzflüge. Eine Kulturzeitschrift 15/16 (1986).