Stechzeug von Erzherzog Sigmund

Stechzeug von Erzherzog Sigmund

In: Circa 1500. Leonhard und Paola – Ein ungleiches Paar. De ludo globi – Vom Spiel der Welt. An der Grenze des Reiches. Landesausstellung 2000 – mostra storica in Lienz, Schloß Bruck, in Brixen, Hofburg Brixen und in Besenello, Castel Beseno, Besenello. Veranstaltet vom Land Tirol, der Stadt Lienz u.a. Redaktion Marco Abate u.a. – Mailand: Skira, 2000. – 539. 4°. Illustr., Bibl., Karten Objekt-Nr.: 2-7-1, S. 338. Abbildung S. 253.

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Leihgeber: Kunsthistorisches Museum (Wien), Hofjagd- und Rüstkammer, S IX
Stechzeug von Erzherzog Sigmund

© Kunsthistorisches Museum, Wien


1483-1484
Klaus Wagner, Innsbruck, Blankes Eisen, 76 x 44 x 41 cm

Das Stechzeug ist ein spezieller Harnisch, der im 15. Jahrhundert für eine besondere Art des Turniers, das Gestech, geschaffen wurde. Der Stechharnisch hatte ein Gewicht von etwa 40-45 kg. Neben dem Stechhelm und der Brechscheibe bestand das Stechzeug aus einem Rücken mit trapezförmigem Schwänzel und einer an der rechten Seite abgekanteten Brust mit Rüsthaken als vorderer Auflage für die schwere Lanze und einem langen Rasthaken für das Lanzenende. Beim Gestech traf die Lanze mit der Wucht des vollen Galopps auf den Gegner, den man so aus dem Sattel zu stoßen trachtete. Zum Schutz des Pferdes diente die eiserne, geblendete Rossstirn. An unserem Stechhelm befindet sich die Meistermarke des Plattners Klaus Wagner, ein Rad in einem tartschenförmigen Schild. Klaus Wagner war ein Innsbrucker Plattner, der für Erzherzog Sigmund arbeitete. Er stammte wahrscheinlich aus einer Augsburger Familie, die nach Innsbruck übersiedelte und wie andere Augsburger Plattner das hohe technische Können dieser Stadt nach Tirol brachte. Das Stechzeug gehört zu den großen Turnieraufträgen Erzherzog Sigmunds zwischen 1483 und 1490 und ist wahrscheinlich mit einer größeren Zahlung an Wagner im Jahr 1484 in Verbindung zu bringen.


Matthias Pfaffenbichler