Vera ikon

Vera ikon

In: Circa 1500. Leonhard und Paola – Ein ungleiches Paar. De ludo globi – Vom Spiel der Welt. An der Grenze des Reiches. Landesausstellung 2000 – mostra storica in Lienz, Schloß Bruck, in Brixen, Hofburg Brixen und in Besenello, Castel Beseno, Besenello. Veranstaltet vom Land Tirol, der Stadt Lienz u.a. Redaktion Marco Abate u.a. – Mailand: Skira, 2000. – 539. 4°. Illustr., Bibl., Karten Objekt-Nr.: 2-4-1, S. 320. Abbildung S. 247.

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Leihgeber: Diözesanmuseum Brixen (Südtirol)
Vera ikon

© Rotter Josef, Bozen


Um 1470
Rheinisch
Holz, 22 x 15,5 cm

Diese Bildtafel vertritt den Typus der vera ikon, des wahren Abbilds Jesu, deren Vorbild in den in mehreren Fassungen erhaltenen vera ikon-Tafeln von respektive Jan van Eyck zu suchen ist. Hierbei handelt es sich um die Neuschöpfung einer Bildgattung (van Eyck bezeichnet sich in der Bildaufschrift als "inventor"), die bewusst Porträt und Ikone vermengt. Das Abbild Christi wird zum privaten Andachtsbild in Form eines "autonomen" Porträts (Belting, 1990, 1994). Die porträthafte Abbildbarkeit des Antlitzes Jesu findet ihre Legitimation durch den Menschen als "Bild und Gleichnis Gottes" (Genesis 1, 27) und verändert die Tradition der "nicht von Menschenhand gemachten" Bilder Jesu (acheiropoietoi), insbesondere des legendarisch durch den Abdruck Christi legitimierten Schweißtuchs der Veronika, das in St. Peter in Rom verehrt wurde. Nikolaus von Kues beschäftigt sich in seiner Abhandlung De icona (vgl. Wolf, 1999) mit einer vergleichbaren "Bildtafel Christi". Ausgehend vom Blick des Dargestellten, der den Betrachter , gleich an welchem Punkt des Raumes er sich befindet, verfolgt, exemplifiziert er anhand der Beziehung zwischen Bild und Wahrheit die Bildhaftigkeit des Menschen.