Tiroler Landlibell

Tiroler Landlibell

In: Circa 1500. Leonhard und Paola – Ein ungleiches Paar. De ludo globi – Vom Spiel der Welt. An der Grenze des Reiches. Landesausstellung 2000 – mostra storica in Lienz, Schloß Bruck, in Brixen, Hofburg Brixen und in Besenello, Castel Beseno, Besenello. Veranstaltet vom Land Tirol, der Stadt Lienz u.a. Redaktion Marco Abate u.a. – Mailand: Skira, 2000. – 539. 4°. Illustr., Bibl., Karten Objekt-Nr.: 1-20-4, S. 201. Abbildung S. 200.

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Leihgeber: Tiroler Landesarchiv (Innsbruck, Tirol), Landschaftliches Archiv, Urkunde 32
Tiroler Landlibell

© Foto Frischauf, Innsbruck


23. Juni 1511
Innsbruck
Handschrift, Pergament, 8 Blatt mit anhangendem Königssiegel Maximilians I. an schwarz-goldener Kordel, 36 x 27 cm

Mit der Aufnahme des Pustertals und der Herrschaft Lienz in das so genannte Landlibell von 1511 wurde ein gewaltiger Schritt hinsichtlich der Integration der neu erworbenen görzischen Bereiche in die Grafschaft Tirol bewältigt. Damit war die Vereinigung de facto vollzogen, auch wenn die Kärntner Landstände bezüglich der Herrschaft Lienz weiterhin versuchten, ihren Standpunkt durchzusetzen.
Anlass für das Zustandekommen des Landlibells war eine große Unzufriedenheit im Land Tirol, das unter dem sich hinziehenden Venezianerkrieg Maximilians stark zu leiden hatte. Um der Missstimmung im Land zu begegnen, kam es zum Juni-Landtag des Jahres 1511, auf dem u. a. viele Fragen bezüglich der Einbeziehung Tirols in das Wehrwesen geklärt werden mussten. Ein wichtiges Ergebnis war das Elfjährige Landlibell. Damit wurde das Verteidigungswesen nicht nur unter Berücksichtigung alter Gewohnheiten festgeschrieben, sondern auf eine neue gesetzliche Basis gestellt. Zugleich erhielt auch das Steuerwesen eine detaillierte Regelung. Das sogenannte Landlibell war also nicht nur in Bezug auf die Landesverteidigung wichtig, sondern bildete auch die Grundlage für die Besteuerung in der Grafschaft Tirol, zu der nun auch die ehemalige vordere Grafschaft Görz im Pustertal und um Lienz gehörte.


Meinrad Pizzinini


Literatur: Otto STOLZ, Wehrverfassung und Schützenwesen in Tirol von den Anfängen bis 1918. Aus dem Nachlaß hrsg. von Franz Huter (Innsbruck, Wien, München 1960), S. 61-74. – Franz HUTER, 450 Jahre Tiroler Wehrverfassung.Das Landlibell von 1515 – ein Wahrzeichen und Mahnmal der Wehrfähigkeit und Wehrfreiheit. In: Tiroler Heimat 25 (1961), S. 137–142. – Werner KÖFLER, Das Tiroler Landlibell, Innsbruck, 23. Juni 1511. Faksimile mit Begleittext. Teilpublikation bei Tirol-Edition des Archiv-Verlages (Wien o.J.[1997]).