Allianzwappen Tirol-Görz

Allianzwappen Tirol-Görz

In: Circa 1500. Leonhard und Paola – Ein ungleiches Paar. De ludo globi – Vom Spiel der Welt. An der Grenze des Reiches. Landesausstellung 2000 – mostra storica in Lienz, Schloß Bruck, in Brixen, Hofburg Brixen und in Besenello, Castel Beseno, Besenello. Veranstaltet vom Land Tirol, der Stadt Lienz u.a. Redaktion Marco Abate u.a. – Mailand: Skira, 2000. – 539. 4°. Illustr., Bibl., Karten Objekt-Nr.: 1-20-3, S. 200–201. Abbildung S. 94.

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Leihgeber: Österreichische Nationalbibliothek (Wien), Handschriftensammlung, Codex 2944
Allianzwappen Tirol-Görz

© Österreichische Nationalbibliothek, Wien


1. Hälfte 16. Jahrhundert
In: Jakob Unrest, Österreichische Chronik (deutsch)
Abschrift, Deckfarbenmalerei auf Papier, 80 Blatt, Innenseite des Vorderdeckels und Titelblatt mit Wappen von Tirol-Görz und Kärnten, 215 x 145 mm

Eine bildliche Darstellung der Vereinigung der vorderen Grafschaft Görz westlich des Kärntner Tores und der Grafschaft Tirol ist durch diese Abbildung an der Innenseite des Vorderdeckels von Jakob Unrests Österreichischer Chronik mit den Wappen von Tirol und Görz in Form von Allianzwappen gegeben. Damit wurde die bisherige Selbstständigkeit der Görzer Gebiete gleichsam betont. Offiziell konnte hier kein Anspruch mehr auf das Görzer Wappen erhoben werden.
Im Tiroler Fischereibuch Maximilians I. von 1504, zusammengestellt von Wolfgang Hohenleitner und illustriert vom Hofmaler Jörg Kölderer, wurden die im Jahr 1500 neu erworbenen Besitzungen im Pustertal und um Lienz bereits berücksichtigt, worauf ein Blatt besonders hinweist. Dargestellt sind die Wappen des Römischen Königs Maximilian, Österreichs (Bindenschild) und der Grafen von Görz.
Bemerkenswert ist die Verwendung des Görzer Wappens im Werk TIROLENSIUVM Principvm COMITVM des Dominicus Custos, erschienen in Augsburg 1599. Ein Blatt zeigt eine Landkarte Tirols mit zwei Bergleuten bei der Arbeit und darüber die Wappen Österreichs (Bindenschild) und Tirols. Dabei ist der Tiroler Adler mit dem görzischen Wappenschild belegt.
Offiziell blieb das Görzer Wappen nun auf die Anwendung im Zusammenhang mit der Grafschaft Görz, dem ehemaligen innergörzischen Teil der Grafschaft, beschränkt, so wie auch der Name bloß für den Süden erhalten blieb.
Im ehemaligen Vordergörz wurde das Wappen der Grafen jedoch nie vergessen. Es scheint zum Beispiel in der St. Sebastiankapelle der Pfarrkirche von Kals am Großglockner auf, gemalt um 1520, am Gewölbe der St. Michaelskirche in Lienz zusammen mit dem Wappen der Paola Gonzaga (um 1520). Auch in der Kapelle von Schloss Stein (Gemeinde Dellach, Kärnten) sind die Wappen des letzten landesfürstlichen Paares aus dem Haus Görz festgehalten (1505). Seit dem 16. Jahrhundert wurde das alte Görzer Wappen wie selbstverständlich – in verschiedenen Varianten – mit dem eigentlichen Wappen der Stadt Lienz, der fünfblättrigen Rose, kombiniert. Im 19. Jahrhundert hat sich als Stadtwappen endgültig das Görzer Wappen in der Form durchgesetzt, dass die Lienzer Rose auf dem untersten weißen Balken aufscheint. Im Süden lebt das Wappen der Grafen von Görz im Wappen der Provinz Gorizia fort.


Meinrad Pizzinini


Literatur: Maximilian I. 1459–1519. Katalog der Ausstellung vom 23. Mai bis 30. September 1959 in der Österreichischen Nationalbibliothek, der Graphischen Sammlung Albertina und der Waffensammlung des Kunsthistorischen Museums Wien. Red. von Franz Unterkircher (= Biblos-Schriften 23, Wien 1959), S. 50, Nr. 163. – Ausstellung Maximilian I. Innsbruck. Katalog der Ausstellung vom 1. Juni bis 15. Oktober 1969. Herausgegeben vom Kulturreferat des Landes Tirol. Für den Inhalt verantwortlich Erich Egg (Innsbruck 1969), S. 103, Nr. 390. – Meinrad PIZZININI, Lienz. Das große Stadtbuch (Lienz 1982), S. 124.