Beckenschlägerschüssel (Blutschüssel)

Beckenschlägerschüssel (Blutschüssel)

In: Circa 1500. Leonhard und Paola – Ein ungleiches Paar. De ludo globi – Vom Spiel der Welt. An der Grenze des Reiches. Landesausstellung 2000 – mostra storica in Lienz, Schloß Bruck, in Brixen, Hofburg Brixen und in Besenello, Castel Beseno, Besenello. Veranstaltet vom Land Tirol, der Stadt Lienz u.a. Redaktion Marco Abate u.a. – Mailand: Skira, 2000. – 539. 4°. Illustr., Bibl., Karten Objekt-Nr.: 1-17-6, S. 185–186.

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Leihgeber: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (Innsbruck, Tirol), Kunstgeschichtliche Sammlungen, B 456
Beckenschlägerschüssel (Blutschüssel)

© Foto Frischauf, Innsbruck


1. Hälfte 16. Jahrhundert
Nürnberg
Messing, Durchmesser 24,3 cm

Der Aderlass wurde nicht nur zu therapeutischen Zwecken, sondern auch als Mittel der Diagnose verwendet. Der Bader "schlug" mit dem Lasseisen, auch Fliete genannt, eine oberflächliche Vene auf und ließ das Blut in ein bereitgestelltes Gefäßrinnen. Man öffnete praktisch alle Venen an der Körperoberfläche, wann immer es notwendig war. Die Gefahr, eine Sehne oder Arterie zu verletzen, war relativ groß.
Nach dem Eingriff konnte vom Arzt die Blutschau vorgenommen werden, die neben der Harnschau, der Puls und der Fiebermessung zu den beliebtesten Methoden der Diagnostik zählte. Dabei wurde die Qualität (Farbe, Konsistenz, Geschmack, Geruch und Temperatur) des noch flüssigen und des bereits geronnenen Blutes untersucht und bewertet.
Das ausfließende Blut fing man in Schüsseln aus Messing, Zinn oder Keramik auf. Diese waren oft mit Darstellungen verziert, wobei das Motiv des blutvergießenden Pelikans, wie es bei dieser Schüssel zu sehen ist, besonders beliebt war. Der Beck-Schlager war bereits im Hochmittelalter für die Herstellung von Messingschüsseln zuständig. Im 15. Jahrhundert erhalten solche Schüsseln durch geometrische und figürliche Darstellungen einen repräsentativen Charakter.


Claudia Sporer-Heis


Literatur: Otto KOSTENZER, Dem Himmel sei gedankt. Von Badern, Ärzten, irdischen und himmlischen Arzneimitteln in alter Zeit (Rosenheim 1974), S. 33. – Gundolf KEIL, Friedrich LENHARDT, Blutschau. In: Lexikon des Mittelalters II (München-Zürich 1983), Sp. 291. – Thomas DEXEL, Die Formen des Gebrauchsgeräts. Ein Typenkatalog der Gefäße aus Keramik, Metall und Glas in Mitteleuropa (München 1986), S. 94. – Martin WIDMANN, Christoph MÖRGELI, Bader und Wundarzt. Medizinisches Handwerk in vergangenen Tagen (Zürich 1998), S. 103.