Harntafel

Harntafel

In: Circa 1500. Leonhard und Paola – Ein ungleiches Paar. De ludo globi – Vom Spiel der Welt. An der Grenze des Reiches. Landesausstellung 2000 – mostra storica in Lienz, Schloß Bruck, in Brixen, Hofburg Brixen und in Besenello, Castel Beseno, Besenello. Veranstaltet vom Land Tirol, der Stadt Lienz u.a. Redaktion Marco Abate u.a. – Mailand: Skira, 2000. – 539. 4°. Illustr., Bibl., Karten Objekt-Nr.: 1-17-2, S. 184.

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Leihgeber: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (Innsbruck, Tirol), Bibliothek, FB 1062
Harntafel

© Foto Frischauf, Innsbruck


15. Jahrhundert
In: Libellus variarum medicinarum Anthonij Annebergers
Handschrift, Papier, 191 Blatt, 21,7 x 14,5 cm, folii 190v-191r

Diagnostik und Therapie in der professionellen Medizin beruhten im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit auf der Humoralpathologie, der Lehre von den vier Lebenssäften. Das harmonische Zusammenspiel der vier Körpersäfte Blut, gelbe Galle, schwarze Galle und Schleim sorgte für die Gesundheit des Menschen. Ein unausgewogenes Mischungsverhältnis war Ursache aller Krankheiten. Der Arzt diagnostizierte eine Krankheit mit Hilfe der Harnschau (Uroskopie) und veranlasste Maßnahmen, die das Gleichgewicht der Körpersäfte wieder herstellen sollten. Dazu zählten Aderlass, Schröpfen, Abführen, Erbrechen oder Niesenlassen.
Die Handschrift, die verschiedene Rezepte und medizinische Traktate enthält, stammt aus einer der größten Tiroler Privatbibliotheken des 15. Jahrhunderts, der Bibliothek des Antonius von Annenberg, der in zweiter Ehe mit einer Tochter von Balthasar von Welsberg, einem einflussreichen Rat Leonhards von Görz, verheiratet war.
Die gezeigte Harnglas-Scheibe mit den Farbabstufungen der "colores urinarum" erleichterte dem Arzt die Diagnosestellung bei der Harnschau.


Claudia Sporer-Heis


Literatur: 150 Jahre Bibliothek des Ferdinandeums. Handschriften, Drucke, Karten. Genealogie, Heraldik, Siegel. Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck, 8. Juni - 30. Sept. 1973 (Innsbruck 1973), Kat.- Nr. 105. – Gundolf KEIL, Diagnostik. In: Lexikon des Mittelalters III (München-Zürich 1986), Sp. 938. – Gundolf KEIL, Harn, -schau, -traktate. In: Lexikon des Mittelalters IV (München-Zürich 1989), Sp.1940f. – Wolfgang ECKART, Geschichte der Medizin (Berlin 1990), S. 59, 89.