Stechzeug

Stechzeug

In: Circa 1500. Leonhard und Paola – Ein ungleiches Paar. De ludo globi – Vom Spiel der Welt. An der Grenze des Reiches. Landesausstellung 2000 – mostra storica in Lienz, Schloß Bruck, in Brixen, Hofburg Brixen und in Besenello, Castel Beseno, Besenello. Veranstaltet vom Land Tirol, der Stadt Lienz u.a. Redaktion Marco Abate u.a. – Mailand: Skira, 2000. – 539. 4°. Illustr., Bibl., Karten Objekt-Nr.: 1-15-3, S. 174–175. Abbildung S. 90.

Zum Anfang   Zurück   Vorwärts   Zum Ende

Fenster schließen


Leihgeber: Kunsthistorisches Museum (Wien), Hofjagd- und Rüstkammer, S VIII
Stechzeug

© Kunsthistorisches Museum, Wien


1483/1484
Kaspar Rieder, Innsbruck - Mühlau

Kaspar Rieder, der 1467 als Harnischmeister genannt wird, arbeitete bis 1492 für den Turnierhof Erzherzog Sigmunds (1427-1496) in Innsbruck und erhielt dafür auch beträchtliche Zahlungen. Neben Harnischen für verschiedene Tiroler Adelige stellte er auch einen für Maximilian I. her.
Das vorliegende Stechzeug stammt vom Turnierhof Erzherzog Sigmunds und gehört zu dessen großen Turnierharnischaufträgen. Im Hochmittelalter waren Turnierausrüstung und Kriegsausrüstung noch identisch, erst im Spätmittelalter entwickelte sich eine spezielle Sportausrüstung. Insbesondere das "Stechen" verlangte eine kostspielige Spezialbewaffnung und auch besonders kräftige, ruhige und gut abgerichtete Pferde, so dass das "Gestech" nur von begüterten Adeligen und Patriziern ausgeübt werden konnte. Um 1420/1430 entstand in Deutschland ein spezielles Stechzeug. Besondere Merkmale waren der Stechhelm, der an der Brust mit Schrauben befestigt wurde, das rechte Armzeug mit einem Spezialschutz der Armbeuge und ein besonders verstärkter Handschuh für die gefährdete linke Zügelhand. Am Bruststück befand sich ein mit einer Schnur befestigter dreieckiger Schild aus Holz, der mit Hornplatten benagelt und mit Leder überzogen war. Unter dem Stechhelm wurde eine Harnischhaube aus abgestepptem Leinen getragen, um die durch den Lanzenstoß verursachten Erschütterungen zu verringern. Da die Beine des Reiters hinter dem Fürbug, einem die Brust schützenden Teil des Pferdeharnischs, genügend geschützt waren, benötigte man kein Beinzeug.


Claudia Sporer-Heis


Literatur: Die Innsbrucker Plattnerkunst. Katalog des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum, Innsbruck, Kunstausstellung vom 26. Juni bis 30. September 1954 (Innsbruck 1954), Kat. Nr. 12. – Bruno THOMAS, Ortwin GAMBER, Katalog der Leibrüstkammer I (= Führer durch das Kunsthistorische Museum 13 (Waffensammlung), Wien 1976), S. 139. – Ortwin GAMBER, Ritterspiele und Turnierrüstung im Spätmittelalter. In: Das ritterliche Turnier im Mittelalter. Beiträge zu einer vergleichenden Formen- und Verhaltensgeschichte des Rittertums. Hrsg. von Josef FLECKENSTEIN (= Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 80, Göttingen 1985), S. 526. – Matthias PFAFFENBICHLER,: Die Ritter im Turnier und Krieg. In: Die Ritter. Burgenländische Landesausstellung 1990, Burg Güssing, vom 4. Mai bis 28. Oktober 1990. Red. von Harald Prickler (= Burgenländische Forschungen Sonderbd. 8, Eisenstadt 1990), S. 45.