"Rennen", "Stechen", "Zweikampf" und "Mumerey"

"Rennen", "Stechen", "Zweikampf" und "Mumerey"

In: Circa 1500. Leonhard und Paola – Ein ungleiches Paar. De ludo globi – Vom Spiel der Welt. An der Grenze des Reiches. Landesausstellung 2000 – mostra storica in Lienz, Schloß Bruck, in Brixen, Hofburg Brixen und in Besenello, Castel Beseno, Besenello. Veranstaltet vom Land Tirol, der Stadt Lienz u.a. Redaktion Marco Abate u.a. – Mailand: Skira, 2000. – 539. 4°. Illustr., Bibl., Karten Objekt-Nr.: 1-15-2, S. 174. Abbildung S. 89.

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Leihgeber: Kunsthistorisches Museum (Wien), Hofjagd- und Rüstkammer, P 5073

© Kunsthistorisches Museum, Wien


1512-1515
In: Turnierbuch Freydal
Kaiser Maximilian I.
Süddeutsch
Federzeichnungen, Gouachen, mit Gold und Silber gehöht, 230 x 230 mm

Ebenso wie der Weißkunig und der Theuerdank ist der Freydal in ideeller wie in literarischer Hinsicht beinahe vollständig Maximilians eigenes Werk. Der Text liegt nur teilweise handschriftlich vor: Dem um Minne werbenden Jüngling Freydal werden von drei Jungfrauen gefährliche Aufgaben gestellt. Sie schicken ihn in Ritterspiele, Kampf und Gefahr.
Das gesamte Werk enthält 225 Abbildungen von insgesamt 26 Künstlern. Sie zeigen jeweils ein "Rennen", ein "Stechen", einen Fußkampf und einen Maskenball ("Mumerey") von 64 "Turnierhöfen", die Maximilian selbst ausgesucht hat, um seinen Getreuen ein Ehrenmal zu setzen.
Das "Rennen" war auf Grund der weniger aufwendigen Ausrüstung eine beliebte Turnierkampfart der jungen Edelleute. Es war zwar gefährlicher als das "Stechen", da mit einer scharfen Rennlanze gekämpft wurde, aber man benötigte zunächst keine spezielle Turnierausrüstung, sondern konnte den modischen Feldharnisch verwenden. Erst um 1485/1490 entstand ein eigenes Rennzeug mit Harnisch und verschiedenen Tartschen (Schilden).
Nach Beendigung eines Turniers fand als gesellschaftlicher Höhepunkt üblicherweise eine "Mumerey", also ein Maskenball, statt.


Claudia Sporer-Heis


Literatur: Hans RUPPRICH, Das literarische Werk Kaiser Maximilians I. In: Ausstellung Maximilian I. Innsbruck, 1. Juni bis 15. Oktober 1969. Katalog. Hrsg. vom Kulturreferat des Landes Tirol unter der Leitung von Erich Egg (Innsbruck 1969), S. 51f. – Bruno THOMAS, Ortwin GAMBER, Katalog der Leibrüstkammer I (= Führer durch das Kunsthistorische Museum 13 (Waffensammlung), Wien 1976), S. 170. – Matthias PFAFFENBICHLER,: Die Ritter im Turnier und Krieg. In: Die Ritter. Burgenländische Landesausstellung 1990, Burg Güssing, vom 4. Mai bis 28. Oktober 1990. Red. von Harald Prickler (= Burgenländische Forschungen Sonderbd. 8, Eisenstadt 1990), S. 45.