Doppelscheuer

Doppelscheuer

In: Circa 1500. Leonhard und Paola – Ein ungleiches Paar. De ludo globi – Vom Spiel der Welt. An der Grenze des Reiches. Landesausstellung 2000 – mostra storica in Lienz, Schloß Bruck, in Brixen, Hofburg Brixen und in Besenello, Castel Beseno, Besenello. Veranstaltet vom Land Tirol, der Stadt Lienz u.a. Redaktion Marco Abate u.a. – Mailand: Skira, 2000. – 539. 4°. Illustr., Bibl., Karten Objekt-Nr.: 1-14-9, S. 169. Abbildung S. 168.

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Leihgeber: Württembergisches Landesmuseum (Stuttgart, Deutschland), KK 69
Doppelscheuer

© Württembergisches Landesmuseum, Stuttgart


Mitte 15. Jahrhundert. Süddeutsch
Maserholz mit vergoldeter Silbermontierung, Höhe 25,5 cm

Bei einer sogenannten "Doppelscheuer" handelt es sich um zwei umgekehrt aufeinander gestellte Gefäße mit jeweils einem niedrigen gedrückt-bauchigen Körper auf hohem Standfuß. Fußringe, Mundränder und der Seitengriff der unteren Scheuer sind mit einer vergoldeten Silbermontierung geschmückt. Das zweite Gefäß dient als Deckel. Vom 13 .bis 15. Jahrhundert war die Scheuer vorwiegend aus Maserholz, aber auch aus Elfenbein oder Edelmetall. Ihr Name leitet sich vom mittelhochdeutschen schiure her und bedeutet Becher. Eine andere gebräuchliche Bezeichnung der Scheuer ist Kopf oder Doppelkopf, und unter diesem Begriff sind neun Stücke dieser Becherart im Brautschatzinventar von Paola Gonzaga angeführt. Dort heißt es beispielsweise: ģItem vier Kopfln, vergoldet, innen und außen, ...ein Kophl mit einer vergultn Kron vnd eine wildn Man habn mir geschenckt di von Luentz (Lienz), ...ein Köpfl ganz vbergold mit einer silbren Blumen ist mir geschenckt wordn von einer Gemain (Gemeinde), ...ein niders Köpfl gantz vberguldett" (Kollreider 1952).


Eleonore Gürtler


Literatur: Maria KOLLREIDER, Madonna Paola Gonzaga und ihr Brautschatz. In: Lienzer Buch, Beiträge zur Heimatkunde von Lienz und Umgebung (= Schlern-Schriften 98, Innsbruck 1952), S. 147. – Walter DEXEL, Das Hausgerät Mitteleuropas. Wesen und Wandel der Formen in zwei Jahrtausenden. Deutschland, Holland, Österreich, Schweiz. (Braunschweig, Berlin 1962), Kat.-Nr. 320, S. 409, Abb. 320, S. 219. – Thomas DEXEL, Die Formen des Gebrauchsgeräts. Ein Typenkatalog der Gefäße aus Keramik, Metall und Glas in Mitteleuropa (München 1986), S. 80. – Peter W. HARTMANN, Kunstlexikon (Wien 1996), S. 1346.