Brauttruhe der Paola Gonzaga

Brauttruhe der Paola Gonzaga

In: Circa 1500. Leonhard und Paola – Ein ungleiches Paar. De ludo globi – Vom Spiel der Welt. An der Grenze des Reiches. Landesausstellung 2000 – mostra storica in Lienz, Schloß Bruck, in Brixen, Hofburg Brixen und in Besenello, Castel Beseno, Besenello. Veranstaltet vom Land Tirol, der Stadt Lienz u.a. Redaktion Marco Abate u.a. – Mailand: Skira, 2000. – 539. 4°. Illustr., Bibl., Karten Objekt-Nr.: 1-9-7, S. 142.

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Leihgeber: Stiftsmuseum Millstatt (Kärnten)
Brauttruhe der Paola Gonzaga

© Schmölzer Franz, Millstatt


Um 1470
Mantua
Nadelholz, Höhe 98 cm, Länge 235 cm (Sockel), Tiefe 85,5 cm (Boden)

Die Truhe ist in Zinken/Schwalbenschwanztechnik zusammengefügt, die einzelnen Gewändeteile sind aus 2-3 Nadelholzbrettern horizontal zusammengeleimt. Geschnitzte und gezogene Profile sind mit Holznägeln fixiert und verleimt (Franz Höring, Bundesdenkmalamt Wien).
Die Vorderfront schmückt derzeit eine Kopie des Klagenfurter Reliefs aus dem Jahre 1905. Der Truhenkorpus, die Seitenwände und der Deckel sind original. Die Rückwand ist unbearbeitet, zumal die Brauttruhen prinzipiell an der Wand standen.
Der gewölbte Deckel weist oben einen reliefierten Blätterfries, an den Deckelleisten ein Palmetten- und Spiraldekor auf. Der Sockel ist mit einem Lorbeerkranz geziert. Die Truhenseiten sind von je einer palmetten- und akanthusbesetzten Volute gerahmt. Die rechte Seitenfläche trägt das Wappen der Gonzaga (in dieser Form seit 1433 geführt), die linke ist leer.
Die Brauttruhe befindet sich im ehemaligen Benediktinerstift Millstatt, das von Kaiser Friedrich III. dem St. Georgs-Ritterorden übergeben wurde und in dem König Maximilian I. 1494 eine Georg-Bruderschaft einrichtete. Die Wappen der Bruderschaftsmitglieder, so auch das der Görzer und Gonzaga, sind im Kirchengewölbe angebracht und bekunden die Förderung des St. Georgs-Ritterordens durch Leonhard von Görz.


Gert Ammann


Literatur: Robert EISLER, Die Hochzeitstruhen der letzten Gräfin von Görz. In: Jahrbuch der k. k. Zentral-Kommission N.F. 3 (1905), S. 93ff. – Daniela GREGORI, Die Brauttruhen der Paola Gonzaga. Zur Herkunft, Ikonographie und Autorenfrage der Cassone-Tafeln im Kärntner Landesmuseum. In: Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 79 (1999), S. 7.