Schwert des Grafen Leonhard von Görz-Tirol (?)

Schwert des Grafen Leonhard von Görz-Tirol (?)

In: Circa 1500. Leonhard und Paola – Ein ungleiches Paar. De ludo globi – Vom Spiel der Welt. An der Grenze des Reiches. Landesausstellung 2000 – mostra storica in Lienz, Schloß Bruck, in Brixen, Hofburg Brixen und in Besenello, Castel Beseno, Besenello. Veranstaltet vom Land Tirol, der Stadt Lienz u.a. Redaktion Marco Abate u.a. – Mailand: Skira, 2000. – 539. 4°. Illustr., Bibl., Karten Objekt-Nr.: 1-9-5, S. 141. Abbildung S. 80.

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Leihgeber: Staatliche Kunstsammlungen (Dresden, Deutschland), Rüstkammer, VI 369
Schwert des Grafen Leonhard von Görz-Tirol (?)

© Staatliche Kunstsammlungen, Dresden


Um 1475
Oberitalien
Eisen, Gratklinge, geätzt, größtenteils vergoldet, Gefäß aus Eisen, gefeilt und geätzt, zum Großteil vergoldet, Gesamtlänge 122 cm, Klingenlänge 99,5 cm, Gesamtbreite der Parierstanden 27 cm

Aus dem künstlerischen Dekor der Klinge geht eindeutig hervor, dass das Schwert aus Gonzaga-Besitz stammt und auf jeden Fall im Zusammenhang mit einer Hochzeit steht. Es wird angenommen, dass es ein Geschenk Paolas an ihren Gatten Graf Leonhard von Görz darstellt.
Die Geschichte des Schwertes reicht weit zurück. Es befindet sich seit Jahrhunderten in den Sammlungen von Dresden. Eine Erklärung dafür wäre, dass das Schwert von Maximilian I., dem Erben des letzten Görzer Grafen Leonhard († 1500), an Kurfürst Friedrich den Weisen von Sachsen als Ehrengeschenk übergeben wurde. Ihm, einem Vertrauten, hatte Maximilian sogar die Herrschaft Cormons in der Nähe von Görz verpfändet, die er von Graf Leonhard im Tauschweg erhalten hatte. Das Schwert, ein sogenannter Anderthalbhänder, eigentlich ein Fechtschwert, zeigt auf der Vorderseite der Klinge das Wappen der Gonzaga. Mehrere Motive besitzen Symbolcharakter, etwa eine zur Sonne aufblickende Hirschkuh, mehrfach von den Gonzaga verwendet, oder ein Bienenkorb mit einem Schriftband in fehlerhaftem Italienisch "su mariti", was bedeuten soll "ihrem Gemahl". Mehrere Male sind auf beiden Klingenseiten verschlungene Hände eingraviert, die den Herzensbund verkörpern sollen, kombiniert mit der Devise "IN ETERNVM" (in Ewigkeit).
Dieses Meisterwerk oberitalienischer Renaissancekunst mit seiner äußerst qualitätvollen Durchgestaltung von Gefäß und Klinge verfolgte über den Zweck einer Waffe hinaus wohl einen tieferen geistigen Sinn: es war Symbol der Gerechtigkeit und der rechtmäßigen Gewalt.


Meinrad Pizzinini


Literatur: Erich HAENEL, Das Gonzagaschwert der Dresdner Rüstkammer. In: Mitteilungen aus den sächsischen Kunstkammern VII (1916), S. 66-80. – La spada e il melograno. Vita quotidiana al castello medioevale 1271-1500. Castello di Gorizia, 18 dicembre 1998 - 30 giugno 1999. Catalogo. A cura di Lucia Pillon (Gorizia 1998), S. 95, 178.