Porträtmedaille auf Paola Gonzaga

Porträtmedaille auf Paola Gonzaga

In: Circa 1500. Leonhard und Paola – Ein ungleiches Paar. De ludo globi – Vom Spiel der Welt. An der Grenze des Reiches. Landesausstellung 2000 – mostra storica in Lienz, Schloß Bruck, in Brixen, Hofburg Brixen und in Besenello, Castel Beseno, Besenello. Veranstaltet vom Land Tirol, der Stadt Lienz u.a. Redaktion Marco Abate u.a. – Mailand: Skira, 2000. – 539. 4°. Illustr., Bibl., Karten Objekt-Nr.: 1-8-11, S. 137.

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Leihgeber: Kunsthistorisches Museum (Wien), Münzkabinett, Inv. Nr. 6829 bß; Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (Innsbruck, Tirol), Historische Sammlung, Medaillen, Inv. Nr. I/3
Porträtmedaille auf Paola Gonzaga

© Meinrad Pizzinini, Völs


Ende 15. Jahrhundert (?) – 1511-1519 (?)
Unbekannter Künstler
Bronze, Durchmesser 62 mm
Umschrift auf der Vorderseite: PAVLA GONZAGA COMIT[ISSA]

Paola Gonzaga (1463-1495/1496)
Als jüngste Tochter des Markgrafen Ludovico III. Gonzaga und seiner Gemahlin Barbara wurde Paola 1463 in Mantua geboren. Die Eltern behandelten ihr "Nesthäkchen" wohl besonders liebevoll und fürsorglich, zumal das Mädchen von Anfang an kränklich und untergewichtig war sowie an einer vererbten Missbildung einer Schulter litt. Deshalb schickte man sie bereits als Kind immer wieder längere Zeit in oberitalienische Kurbäder, wo sie sich bei Trinkkuren und Fangobehandlungen erholen sollte.
Als Paola zehn Jahre alt war, hatten ihre Eltern bereits begonnen, die Weichen für eine Verehelichung mit Graf Leonhard von Görz-Tirol zu stellen. Nach einer gerade überstandenen schweren Krankheit und unmittelbar nach dem Tod ihres Vaters Ludovico fand 1418 die Hochzeit in Bozen statt. Das 15-jährige Mädchen konnte sich nach den Feierlichkeiten nur schwer von ihrem Bruder Ludovico, der sie begleitet hatte, trennen. Obwohl ihr von ihrer Mutter ein Hofstaat von 16 Personen nach Lienz mitgegeben worden war, fühlte sich das Kind, von dem verlangt wurde, ihrem – um 20 Jahre älteren – Gemahl einen legitimen Nachfolger zu gebären, einsam und verlassen.
Ihre Mutter kümmerte sich aus der Ferne weiterhin um das Wohlergehen ihrer Tochter, indem sie mit dem Hof in Lienz in ständigem Kontakt stand. So schickte sie Paola immer wieder Ärzte für die Behandlung ihrer Krankheiten und versorgte sie mit speziellen Lebensmitteln wie etwa Safran oder Obst, das es nur in südlichen Gebieten gab. Vorwürfe Leonhards, dass Paola jähzornig sei, wurden von Seiten Barbaras heftig dementiert. Außerdem forderte sie Leonhard einige Male dringend auf, ihre Tochter gut und mit der notwendigen Achtung zu behandeln.
Nach dem Tod der Mutter 1481 hielt Paola den Kontakt mit ihren Brüdern bzw. mit ihrem Neffen aufrecht. Sie begann auch, in Mantua ihre immer noch nicht vollständig ausbezahlte Mitgift einzufordern. Paolo Santonino beschreibt die Gräfin in seinen Tagebüchern aus dem Jahr 1485 als "... im ganzen schön und ehrbar, doch hat sie die rechte Schulter höher als die linke, was sie ein wenig verunstaltet. Von allen wird sie wegen ihrer einzigartigen Bildung geliebt und geachtet."
Der Gesundheitszustand der schon immer an schweren Krankheiten leidenden Paola verschlimmerte sich zunehmend. Sie starb vermutlich Ende des Jahres 1495, Anfang 1496, möglicherweise in Venedig oder Abano.
Diese Medaille wurde bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts als Erinnerungsstück zu Ehren Paola Gonzagas, der Gräfin von Görz, interpretiert. Sie zeigt auf der Vorderseite das Porträt einer Frau nach links mit Witwenschleier, auf der Rückseite zwei am Webstuhl beschäftigte Frauen. Die Umschrift der Vorderseite weist diese Frau mit Namen Paola Gonzaga als Gräfin (Comitissa) aus. Die Darstellung von Paola als Witwe, die sie nie war, wurde mit dem Versuch der Familie Gonzaga, den Brautschatz Paolas nach ihrem Tod wiederzubekommen, in Zusammenhang gebracht. Nach dieser Interpretation sollte die Medaille einerseits an Paola erinnern, andererseits die Infamie Leonhards dokumentieren, der den Brautschatz verschenkt hatte. In der neuesten Literatur wird die Medaille als Erinnerung an die Nichte Paolas, eine verehelichte Gräfin von Musocco interpretiert, die – früh verwitwet – die Regierung für ihren minderjährigen Sohn übernahm.


Claudia Sporer-Heis


Literatur: Quellen: Archivio di Stato Mantova: A.G., b. 544, c. 76; A.G. b. 514, c. 165; A.G. b. 514, c.188 Tiroler Landesarchiv: Sigmundiana 4a.029.109; 4a.029.085 Splendours of the Gonzaga. Catalogue. Exhibition 4 November 1981–31 January 1982. Victoria & Albert Museum – London. Ed. by David S. Chambers (London 1981), S. 130, Kat. Nr. 46. – Eleonora LUCIANO, Which Paola? A new identification for the medal of Paola Gonzaga. In: The Medal 35 (1999), S. 33-36. – Paolo Santonino, Die Reisetagebücher des Paolo Santonino 1485 - 1487. Aus dem Lateinischen übertragen von Rudolf Egger (Klagenfurt 1947), S. 32. – Josef WEINGARTNER, Die letzten Grafen von Görz. In: Lienzer Buch. Beiträge zur Heimatkunde von Lienz und Umgebung (= Schlern-Schriften 98, Innsbruck 1952), S. 128-135,