"Sechser" mit Graf Leonhard von Görz in Halbfigur

"Sechser" mit Graf Leonhard von Görz in Halbfigur

In: Circa 1500. Leonhard und Paola – Ein ungleiches Paar. De ludo globi – Vom Spiel der Welt. An der Grenze des Reiches. Landesausstellung 2000 – mostra storica in Lienz, Schloß Bruck, in Brixen, Hofburg Brixen und in Besenello, Castel Beseno, Besenello. Veranstaltet vom Land Tirol, der Stadt Lienz u.a. Redaktion Marco Abate u.a. – Mailand: Skira, 2000. – 539. 4°. Illustr., Bibl., Karten Objekt-Nr.: 1-6-2, S. 124. Abbildung S. 74.

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Leihgeber: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (Innsbruck, Tirol), Münzsammlung

© Meinrad Pizzinini, Völs


Um 1495
Münzstätte Lienz
Silber, Durchmesser 24 mm Umschrift
Vorderseite: LEON(HARDUS) . COM(ES) . GORI(CIAE) . ET . TIRO(LIS)
Umschrift Rückseite: GROS(SUS) . COM(ITIS) . PALA(TINI) . COR(INTHIAE)

Der Einfluss der Tiroler Münzreform unter Erzherzog Sigmund auf das Görzer Münzwesen beschränkte sich mehr auf die Übernahme äußerlicher Erscheinungsbilder. So wurde das Münzbild des 6-Kreuzer-Stücks und mit ihm die Porträtdarstellung des Landesfürsten übernommen. Als Vorbilder hatten dem Erzherzog italienische "Testone-Münzen" gedient, wie sie in Venedig und Mailand geprägt wurden und mit der Aufwertung des individuellen Porträts im Rahmen der Renaissancekunst zu sehen sind. Die Vorderseite des "Sechsers" zeigt Graf Leonhard in Halbfigur mit einem Harnisch bekleidet. Wie von anderen Darstellungen her bekannt, trägt Leonhard auch hier langes, wallendes Haar. Er hält das Kriegsbeil in der Rechten, während die linke Hand den Griff eines Schwerts umfasst.
Die Fläche der Rückseite ist durch ein einfaches Kreuz gegliedert. Zwischen den Schenkeln befinden sich je zweimal die Wappen von Görz und Tirol.
Die Umschriften (in Übersetzung) charakterisieren die Münze und den Dargestellten: "Leonhard Graf von Görz und Tirol" – "Groschen [= Dickmünze] des Pfalzgrafen in Kärnten".
Bergbau und Münzprägung in der Grafschaft Görz
Die erste Nachricht über den Bergbau in der Grafschaft Görz stammt aus dem Jahr 1290, und betrifft die Gebiete südlich des Plöckenpasses. Aus dem 14. Jahrhundert sind zahlreiche Nachrichten aus der vorderen Grafschaft überliefert. Intensiver setzte der Bergbau im 15. Jahrhundert ein. Der Bergbauin der Lienzer Gegend, im görzischen Defereggen, in Kals und in den oberkärntnerischen Herrschaften war relativ erfolgreich. Zunächst hatten noch Pfleger bzw. Amtleute den Bergbau in ihren Sprengeln zu beaufsichtigen. Mit zunehmender Intensivierung erließ der Landesfürst Graf Leonhard am 25. Januar 1486 eine eigene Bergordnung.
Das Kupfer wurde besonders zur Waffenerzeugung benötigt. Die Edelmetalle Gold und Silber dienten zur Münzprägung, die unter den Görzern schon vor 1200 eingesetzt hatte.
Den Münzbetrieb in Lienz darf man sich nicht zu aufwendig vorstellen. Für das äußere: Erscheinungsbild bzw. die künstlerische Gestaltung war der Stempelschneider verantwortlich. Üblicherweise waren es Goldschmiede, die die Münzeisen gravierten. Sicherlich war auch ein Münzschreiber vorhanden, der für eine geordnete Rechnungsführung zu sorgen hatte. In den technischen Bereich der Münzerzeugung gehörten der Silberbrenner, der das theoretisch reine Silber herstellte, der Probierer oder Wardein (= Guardian, d. h. Wächter), der die im Münzfuß vorgeschriebene Legierung zu kontrollieren hatte. Die eigentlichen Münzarbeiter waren jene, die die Schrötlinge, die Münzplättchen, in der richtigen Größe und im richtigen Gewicht vorbereiteten und dann die Münzen "schlugen".
Die Hauptmünzstätte der Görzer befand sich in ihrer Residenzstadt Lienz. Nur in den Jahren 1460/1462 wurde in Toblach geprägt. Auch die Münzstätten in Latisana und Obervellach arbeiteten nur für kurze Zeit.


Meinrad Pizzinini


Literatur: Heinz MOSER, Heinz TURSKY, Die Münzstätte Hall in Tirol 1477–1665 (Innsbruck 1977), S. 306-313. – Heinz MOSER, Helmut RIZZOLLI, Heinz TURSKY, Tiroler Münzbuch. Die Geschichte des Geldes aus den Prägestätten des alttirolischen Raumes (Innsbruck 1984), S. 38-39. – Meinrad PIZZININI, Lienz. Das große Stadtbuch (Lienz 1982), S. 78f.