Ostensorium für Partikel einer Bluthostie, mit Görzer Wappen

Ostensorium für Partikel einer Bluthostie, mit Görzer Wappen

In: Circa 1500. Leonhard und Paola – Ein ungleiches Paar. De ludo globi – Vom Spiel der Welt. An der Grenze des Reiches. Landesausstellung 2000 – mostra storica in Lienz, Schloß Bruck, in Brixen, Hofburg Brixen und in Besenello, Castel Beseno, Besenello. Veranstaltet vom Land Tirol, der Stadt Lienz u.a. Redaktion Marco Abate u.a. – Mailand: Skira, 2000. – 539. 4°. Illustr., Bibl., Karten Objekt-Nr.: 1-4-8, S. 112. Abbildung S. 72.

Zum Anfang   Zurück   Vorwärts   Zum Ende

Fenster schließen


Leihgeber: Benediktinerpriorat Andechs (Deutschland), Kirchenstiftung St. Vitus, Wallfahrtskirche Andechs
Ostensorium für Partikel einer Bluthostie, mit Görzer Wappen

© Foto Wilke, Hersching


Um 1390
Wohl München
Silber, gegossen und getrieben, vergoldet, Höhe 38 cm

Dieses Ostensorium zählt zu den wertvollsten Objekten des Andechser Heiltumsschatzes. Die kunsthandwerklich hervorragend gearbeitete Monstranz (Ostensorium) mit stehendem Schaugefäß aus Bergkristall in der Mitte, der die Reliquie birgt, und hohem, achtkantigem Schaft zeigt am ebenfalls achtkantigen Fuß eine Inschrift, die auf die Bedeutung der Reliquie hinweist. Je zweimal erscheinen am Fuß der bayerische Rautenschild und das Wappen der Grafen von Görz.
Die Wappen beziehen sich auf den Wittelsbacher Herzog Johann II. († 1397) und auf die seit 1372 mit ihm verheiratete Katharina von Görz-Tirol († 1391), Tochter des Görzers Meinhard VII. Ihre Familie war übrigens mehrfach mit bayerischen Geschlechtern wie etwa den Andechsern verwandt. Herzogin und Gräfin Katharina hatte eigentlich die Überführung der 1388 in der Kapelle der verfallenen Burg Andechs entdeckten Reliquiensammlung zunächst nach München veranlasst. Bald schon kam diese wieder auf den "Heiligen Berg" Andechs zurück, und der Wallfahrerstrom setzte ein.
Das Ostensorium kann einerseits als Beleg für die Verbindung der Görzer Dynastie mit bedeutenden mitteleuropäischen Geschlechtern, andererseits für das kulturell-religiöse Engagement der Familie gelten.


Meinrad Pizzinini


Literatur: Der Schatz vom Heiligen Berg Andechs. Katalog des Bayerischen Nationalmuseums München. Hrsg. von Rainer Rückert (Andechs 1967), S. 27f., Nr. 14. – Wilhelm STÖRMER, Die Wittelsbacher Gründer und Wohltäter des Klosters. In: Der Schatz vom Heiligen Berg Andechs. Katalog des Bayerischen Nationalmuseums München. Hrsg. von Rainer Rückert (Andechs 1967), S. 53-63.