© Fotostudio Otto, Wien
1606-1608
Unbekannter Künstler
Federzeichnung, aquarelliert, 283 x 543 mm
Beilage zum Geschichtswerk Tiroler Adler, Band III, von Matthias Burgklechner
|
Die älteste erhaltene Ansicht der ehemals görzischen Residenzstadt Lienz datiert zwar in die Jahre 1606-1608, zeigt aber, mit ganz geringen Abweichungen, noch das spätmittelalterliche Stadtbild. Kern der Ansicht ist die Gründungssiedlung vom Ende des 12. Jahrhunderts, das Burgum Lienz mit dem zinnenbekrönten Stadtschloss auf der Westseite (rechts). Im Gegensatz zur ursprünglich wohl ritterständischen Siedlung des Burgums entstand vor dem westlichen Tor das bürgerliche Lienz mit Tavernen und den Niederlassungen von Handwerkern und Kaufleuten. Von diesem Platz, dem Johannesplatz mit der gleichnamigen Kirche, führen einige Gassen zu Stadttoren des erweiterten Mauergürtels, darunter die Judengasse im ehemaligen Ghetto. Innerhalb der Mauem befinden sich das Karmelitenkloster, die Angerburg und das Bürgerspital an der Brücke. Der mit zahlreichen Rondellen und Türmen bewehrte Mauerring wurde in der Zeit der Bedrohung durch die Türken begonnen, jedoch erst in nachgörzischer Zeit fertiggestellt. Die im Westen liegenden Vorstädte, Meranergasse und Schweizergasse mit dem Dominikanerinnenkloster an der Pfarrbrücke gelegen, sowie der Rindermarkt mit der St. Michaels-Kirche im Vordergrund, wurden nie durch Befestigungen geschützt. Die für die Stadt zuständige Pfarrkirche blieb immer St. Andrä (rechts vorne), von dessen benachbarter Ortschaft die Besiedlung des Talbodens ausgegangen war. Die Errichtung von Schloß Bruck als Residenz der landesfürstlichen Dynastie fällt in das 3. Viertel des 13. Jahrhunderts.
Meinrad Pizzinini
|