Samuel Graf Teleki

Samuel Graf Teleki

In: Abenteuer Ostafrika. Der Anteil Österreich-Ungarns an der Erforschung Ostafrikas. Katalog der Burgenländischen Landesausstellung im Schloss Halbturn vom 11. Mai bis 28. Oktober 1988. – Eisenstadt: Amt der Burgenländischen Landesregierung, Kulturangelegenheiten 1988. 286. 8°. Objekt-Nr.: , S. 283.

Zum Anfang   Zurück   Vorwärts   Zum Ende

Fenster schließen


Samuel Graf Teleki

© Information: Kulturabteilung des Amtes der Burgenländischen Landesregierung, Eisenstadt


Geboren 1845 in Saromberke, gestorben 10. März 1916 in Budapest

Über das Leben des Organisators, Leiters und Financiers der letzten großen Pionierunternehmung in der Entdeckungsgeschichte Ostafrikas ist nur wenig bekannt.
Als Sproß der bis ins Jahr 1408 zurü0ckreichenden ungarischen Adelsfamilie Teleki wurde er 1845 in der kleinen Stadt Saromberke geboren. Der junge Teleki wuchs auf in der Zeit großer Afrikareisender, wie R. Burton, J. Speke, D. Livingstone und H. Stanley, von deren Unternehmungen er selbst in der transsilvanischen Kleinstadt erfahren haben mußte.
Nach Studien in Göttingen und Berlin wurde Teleki von der Familie zur Verwaltung der ausgedehnten Güter bestimmt. 1881 wurde er Mitglied der ungarischen Magnatentafel, also des Oberhauses. Als begeisterter Jäger trug er sich aber immer wieder mit dem Gedanken, an einer Jagd- und Entdeckungsreise in Afrika teilzunehmen.
1886 begann er, bereits 41-jährig, mit den Vorbereitungen, den Gedanken in die Tat umzusetzen. In Begleitung des jungen Marineleutnants L. von Höhnel verließ die von Teleki verschwenderisch ausgerüstete Expedition am 31. Jänner 1887 Pangani.
Man führte 72 Kisten mit verschiedenstem Inhalt mit sich, darunter: 300 Gewehre, 50.000 Schuß Munition, Feldbetten, Stoffzelte, Werkzeuge und Faltboote; Konserven als eiserne Ration für zwei Mann und 50 Tage, ungarischen Wein, kartographische und wissenschaftliche Instrumente, eine Kameraausrüstung inklusive Labormaterial sowie Medikamente und Verbandszeug zur Behandlung mehrerer hundert Menschen. Dazu kamen noch 5.000 Kilogramm Draht zum Fixieren der Lasten und für den Lagerbau, 2.500 Kilogramm Glasperlen und 900 Ballen Stoff als Tauschgut für Lebensmittel zur Versorgung der mehr als 300 Träger und Führer.
Am Fluß Ruwu (Pangani) entlangziehend, umgingen sie das Bergland von Usambara, wo bereits in den ersten Marschtagen mehrere Träger desertierten. Unter ihnen ein Mann, der die Bücher- und Kartenkiste der Expedition mit sich nahm. Die Reisenden hatten nun "nicht einmal mehr ein handgroßes Kärtchen von Afrika" und mußten sich fortan in ihren Plänen ganz auf ihr Gedächtnis verlassen.
Auf streckenweise getrennten Wegen erreichten sie in Taweta den Südostfuß des Kilimandscharo. Vom Sattelplateau aus bestieg Teleki als erster den Kibo bis auf ca. 5000 Meter Höhe. In Taweta teilte er seine Erfahrungen Hans Meyer mit, der wenige Tage später zu seinem ersten Besteigungsversuch ansetzte. Zwei Jahre später gelang Meyer in Begleitung Purtschellers die Erstbesteigung des 5895 Meter hohen Hauptgipfels des Kilimandscharo. Nach Umgehung des Massivs auf der Ostseite, gelangten Höhnel und Teleki nach Nogongo. Von dort marschierten sie auf neuen Wegen durch das gefürchtete Kikuyu-Land in Richtung Mount Kenya. Nach drei, nur mit Waffengewalt abzuwehrenden Überfällen, erreichten sie am 8. Oktober 1887 in der Landschaft Ndoro den Westfluß des zweiten afrikanischen Schneeriesen. Während Höhnel krankheitshalber im Lager zurückblieb, unternahm Teleki einen Besteigungsversuch und erreichte eine Höhe von 4680. Von Lare lol Morio im Nordwesten des Kenya zog Teleki nordwärts weiter nach Njemss. Höhnel brach nach Guasso Njiro auf, mit der Absicht, das Lorian-See Rätsel zu lösen. Nachdem er ohne ortskundigen Führer in dieser "unbekannten, unbewohnten und schauderhaft schwierigen Wildnis" nicht weiter kam, brach er die Expedition ab und begab sich nach Njemes, von wo aus man in nördlicher Richtung zum Njioro-Berg zog. Unter Führung eines Eingeborenen entdeckten sie am 5. März 1888 den Basso narok, den fünftgrößten See Afrikas. "Ein Anblick, wie er schöner und überraschender nicht leicht geträumt zu werden vermag. Tief zu unseren Füssen, von felsigen Ufern umschlossen, lag ein dunkler, blauer See, dessen Oberfläche vom herrschenden Südostwinde leicht gekräuselt in der Nachmittagssonne in allen Farben glitzerte. Unser Auge schweifte gierig und flüchtig zugleich über die nächsten Details hinweg, dem Ufer entlang, bis dieses in unabsehbarer Ferne im Norden entschwand" schrieb Höhnel später.
Nach dreiwöchiger Erkundung wurde der von ihnen entdeckte See "in tief gefühlter Dankbarkeit für das hohe Interesse, welches weil. S. k. Hoheit Erzherzog Kronprinz Rudolf unserer Forschungsreise entgegenbrachte, 'Rudolf-See' getauft." Einen Wochenmarsch vom Nordufer des Basso narok entfernt stießen sie auf einen zweiten, weit kleineren See, den Basso ebor (Stefanie-See).
Weiter nach Norden wollte man aus Unkenntnis der dortigen Eingeborenen nicht vorrücken. So trat man am 10. Mai den Rückweg an. Am Südende des Rudolf-Sees angelangt, richtete sich die Route nordwestwärts in die Region Turkana. Bei der Durchquerung des dortigen jungvulkanischen Terrains fiel ein ca. 220 Meter hoher , dampfender Vulkankegel auf, den Höhnel "in dankbarer Wert- und Hochschätzung" des Expeditionschefs 'Graf Teleki Vulkan' benannte. Die Expedition blieb drei Wochen im Land der Turkana und folgte dann, auf verzweifelter Suche nach Nahrungsmitteln, dem trockenen Flußbett des Turguell (Turkwell). Äußerste Not trieb sie schließlich im Gebiet der Suk zum Raub einer Viehherde.
Über den Baringo-See erreichte man im Juli 1888 das alte Lager bei Njemss. Über den Naivasha-See, durch das südlichste Kikuyu und durch Ukambani gelangten sie wieder nach Taweta am Kilimandscharo. Am 25. Oktober 1888 erreichte die inzwischen um 70 Mann geschrumpfte Gruppe Mombassa (36 Tote, 34 Deserteure).
In Sansibar, von wo Teleki die Heimreise antreten wollte, machten sich die enormen Anstrengungen des Unternehmens bemerkbar. Die Einschiffung nach Europa mußte wegen ernsthafter Erkrankung um einige Monate verschoben werden. Trotzdem unternahm er mit Höhnel, bei einer Zwischenlandung in Aden, eine kürzere Erkundung ins äthiopische Hochland bis Harar , womöglich, um für später eine neue Expedition zu den entdeckten Seen, diesmal aus nördlicher Richtung, vorzubereiten.
1889 kehrten sie nach Europa zurück. 1895 unternahm Teleki einen zweiten, unbeachteten Versuch, den Kilimandscharo zu besteigen, was abermals mißlang. Bis zu seinem Tod im Jahre 1916 widmete er sich in Ungarn der Verwaltung seiner Güter.