Dr. Anton Stecker

Dr. Anton Stecker

In: Abenteuer Ostafrika. Der Anteil Österreich-Ungarns an der Erforschung Ostafrikas. Katalog der Burgenländischen Landesausstellung im Schloss Halbturn vom 11. Mai bis 28. Oktober 1988. – Eisenstadt: Amt der Burgenländischen Landesregierung, Kulturangelegenheiten 1988. 286. 8°. Objekt-Nr.: , S. 281.

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Dr. Anton Stecker

© Information: Kulturabteilung des Amtes der Burgenländischen Landesregierung, Eisenstadt


Geboren am 19. Mai 1855 in Kosmanos (Böhmen), gestorben am 15. April 1888 in Jungbunzlau

Stecker besuchte als Sohn eines leitenden Angestellten einer Textilfabrik die Mittelschule in Jungbunzlau. Ab 1873 studierte er an der Universität von Prag Naturwissenschaften, insbesondere Zoologie und Anatomie und promovierte 1877. Im Verlauf weiterer Studien, von denen er sich die Erfüllung des Wunsches, eine Weltreise unternehmen zu können, erhoffte, lernte er in Heidelberg die Reisenden und Forscher Gustav Nachtigal, Ferdinand Freiherr von Richthofen und Gerhard Rohlfs kennen, auf deren Anraten er in Berlin weitere Kenntnisse erwarb.
Soweit für Forschungsreisen gerüstet, bewilligte die Deutsche Afrikanische Gesellschaft die Teilnahme Steckers als wissenschaftlicher Berater an der mit dieser Gesellschaft organisatorisch und finanziell verbundenen Expedition Rohlfs. Sie sollte von Norden kommend die Kufra-Oasen und das Kongobecken erforschen und dabei auch Geschenke Kaiser Wilhelms I. an den Sultan von Wadai als Anerkennung für seine Gastfreundschaft gegenüber Nachtigal überreichen.
Im Oktober 1878 brachen Rohlfs und Stecker von Tripolis auf und erreichten nach Überwindung großer Schwierigkeiten im August 1879 als erste Europäer die Kufra-Oasen. Nach einem Überfall und der Plünderung durch feindliche Eingeborene mußten die Reisenden nach Benghasi fliehen.
Im Jahre 1880 begann Stecker im Auftrag der Deutschen Afrikanischen Gesellschaft eine Reise nach Bornu am Tschadsee, mußte jedoch im Fessan dieses Unternehmen abbrechen, um mit Rohlfs eine diplomatische Mission zu König Johannes von Abessinien zu unternehmen. Im Dezember reisten sie von Massaua über Adua und Sokotra nach der damaligen Hauptstadt Debra Tabor , worauf Rohlfs nach der Übergabe zweier Briefe Kaiser Wilhelms I. das Land wieder verließ.
Stecker verblieb im Land und nahm den Tanasee kartographisch auf. 1881 kam er nach Godscham und in die Galla-Länder, geriet aber in Gefangenschaft des Königs Menelik von Schoa. Auf Intervention des italienischen Reisenden Marchese Orazio Antinori freigegeben, unternahm er mehrere gefahrvolle Fahrten in Abessinien. In deren Verlauf entdeckte er mehrere Seen und machte kartographische Aufnahmen. König Johannes zeichnete ihn für seine Verdienste mit dem Salomo-Orden aus.
Als Stecker 1883 über Massaua nach Europa zurückkehrte, brachte er reiche topographische, kartographische und ethnographische Ergebnisse mit. Auf seinen Bergfahrten hatte er sich jedoch ein Brustleiden zugezogen, dem er am 15. April 1888 in Jungbunzlau erlag, Vermutlich war die allmählich fortschreitende Krankheit die Ursache dafür, daß er kein umfassendes Werk über seine Reisen in Abessinien veröffentlichen konnte.