Dr. Joseph Natterer

Dr. Joseph Natterer

In: Abenteuer Ostafrika. Der Anteil Österreich-Ungarns an der Erforschung Ostafrikas. Katalog der Burgenländischen Landesausstellung im Schloss Halbturn vom 11. Mai bis 28. Oktober 1988. – Eisenstadt: Amt der Burgenländischen Landesregierung, Kulturangelegenheiten 1988. 286. 8°. Objekt-Nr.: , S. 270.

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Dr. Joseph Natterer

© Information: Kulturabteilung des Amtes der Burgenländischen Landesregierung, Eisenstadt


Geboren 1822 in Wien gestorben 17. Dezember 1862 in Khartum

Natterer wurde als Sohn Joseph Natterers, Kustos des kaiserlichen Naturalienkabinetts in Wien, geboren. Der großen naturwissenschaftlichen Tradition der Familie Natterer verhaftet, promovierte er, wie sein Bruder Johann, zum Doktor der Medizin. Als Studenten verbesserten die Brüder 1841 erfolgreich die Technik der Daguerreotypie – eine Vorstufe der heutigen Fotografie.
Während Johann den "Brotberuf" des Mediziners ausübte – er widmete sich privat jedoch vorwiegend chemisch-physikalischen Erfindungen –, fand Joseph durch seinen Vater eine Anstellung als Kustos am Naturalienkabinett.
1855 brachte Theodor von Heuglin seine umfangreichen Sammlungen nach Wien. Durch dessen Schilderungen und die enorme Ausbeute angeregt, beschloß Natterer die sichere Stelle aufzugeben und Heuglin auf seiner Rückreise zu begleiten. Sicher hat auch das Vorbild des berühmten Onkels, des Naturforschers und Brasilienreisenden Johann Natterer, zu diesem Entschluß beigetragen.
Im Herbst 1856 segelten die beiden Männer den Nil aufwärts bis Dongola, durchquerten die Bayuda-Steppe und gelangten am 6. Dezember nach Khartum. Während Heuglin nach Ägypten zurückkehrte, verblieb Natterer in der Hauptstadt des Sudans. Anfänglich mögen ihn vorwiegend naturhistorische Interessen gehalten haben, später aber rückten kommerzielle Beweggründe in den Vordergrund. Neun Monate nach seiner Ankunft im Sudan übertrug ihm Dr. Genczik provisorisch die Geschäfte der diplomatischen Vertretung Österreichs in Sudan. In den nächsten Jahren führte er ebenso die Amtsgeschäfte des französischen Vizekonsulats und der "Englischen Kultivationsmission in Abessinien."
Mit einer Vielzahl erworbener Tiere für die kaiserliche Menagerie in Schönbrunn kehrte er 1858 kurzzeitig nach Wien zurück. Lebend trafen seltene Affen und Vögel, vier Löwen, zwei Geparde, eine Antilope und zwei Wildesel ein; auf der Reise eingegangen war eine Boa constrictor . Noch im selben Jahr brach er erneut nach Khartum auf, wo er ab Jänner 1859 weiterhin als Konsulatsverweser tätig war. Dort war es ihm gelungen, wie er an seine Angehörigen nach Wien berichtete, "durch eine glückliche Speculation ein nicht unbedeutendes Vermögen zu erwerben, mit dem er nach Europa zurückzukehren und dort ausschließlich der Wissenschaft zu leben gedachte. "
Im Sommer 1860 sandte Natterer einen Bericht nach Alexandria, in dem er die europäischen Händler am Weißen Nil als Räuber, Mörder und Sklavenhändler bezeichnete. Dies, obwohl er ein persönlicher Freund des kurz zuvor verstorbenen französischen Sklavenhändlers Alphonse de Malzac war. Sein nunmehr energisches Auftreten gegen den Sklavenhandel schaffte ihm viele Feinde. Schließlich bewogen ihn mehrere Anschläge auf sein Leben zur Abreise nach Ägypten, um dem Vizekönig Bericht zu erstatten. Vom Sultan in Konstantinopel ausgezeichnet, kehrte er nach Khartum zurück, unternahm aber nichts mehr gegen den Sklavenhandel und blieb fortan unbehelligt.
Nach wiederholten Auseinandersetzungen mit dem neuen Generalkonsul in Alexandria, Schreiner, sah sich Natterer im Sommer 1862 veranlaßt, sein Amt als österreichischer Vizekonsul niederzulegen. Seine Gesundheit war inzwischen schwer angeschlagen, er mußte eine lange geplante Reise nach Darfur abbrechen und starb am 17. Dezember 1862 in Khartum an Malaria.
Da sich in der bekannten Forscherfamilie Natterer die Taufnamen ständig wiederholen, geben wir hier, um Verwechslungen vorzubeugen, einen kurzen Überblick:
Johann Natterer Letzter berittener Hof-Falkonier, dessen Privatsammlung von einheimischen Vögeln, Insekten und Kleinsäugern 1793 von Kaiser Franz als Grundstock des kaiserlich zoologischen Kabinetts erworben wurde. Natterer fand als Aufseher seiner eigenen Sammlung Anstellung im Kabinett.
Joseph Natterer (1786-?)
Sohn des Obigen, Kustos am Naturalienkabinett.
Johann Natterer (1787-1843)
Bruder des Obigen, Kustos Adjunct, berühmter Brasilienreisender und Naturforscher .
Johann Natterer (1821-1900)
Neffe des Obigen, Sohn des Joseph Natterer, Arzt und Gemeinderat.
Joseph Natterer (1822-1862)
Bruder des Obigen, Sohn des Joseph Natterer, kaiserlicher Konsulatsverweser in Khartum.