Dr. Ignaz Knoblecher

Dr. Ignaz Knoblecher

In: Abenteuer Ostafrika. Der Anteil Österreich-Ungarns an der Erforschung Ostafrikas. Katalog der Burgenländischen Landesausstellung im Schloss Halbturn vom 11. Mai bis 28. Oktober 1988. – Eisenstadt: Amt der Burgenländischen Landesregierung, Kulturangelegenheiten 1988. 286. 8°. Objekt-Nr.: , S. 262.

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Dr. Ignaz Knoblecher

© Information: Kulturabteilung des Amtes der Burgenländischen Landesregierung, Eisenstadt


Geboren 6. Juli 1819 in St. Kanzian (Unterkrain), gestorben 13. April 1858 in Neapel

Knoblecher wurde als Sohn einfacher Bauern in St. Kanzian in Unterkrain geboren. Er besuchte das Gymnasium in Neustadt, von wo er an das Lyzeum in Laibach kam. Nach zweijährigem Philosophiestudium trat er 1839 in das Priesterseminar ein, wohl vorbestimmt, da ansonsten einem Sohn einfacher Bauern höhere Bildungswege verschlossen waren. Angeregt durch den damaligen Nuntius am k.k. Hof in Wien, Kardinal Altieri, trat er eine Reise nach Rom an, um in der Kongregation "Propaganda Fide" Aufnahme zu finden. 1845 promovierte er zum Doktor der Theologie und empfing die Priesterweihe.
1846 verließ er, nach fünfjährigen Vorbereitungen als Missionar, gemeinsam mit den beiden Jesuiten Anetto Casolani und Maximilian Ryllo Italien auf dem Wege nach dem neugegründeten Vikariat Zentralafrika. Über Kairo gelangte er im Februar 1848 nach Khartum, wo eine Missionsstation gegründet wurde. Deren Leitung hatte anfangs der polnische Jesuitenpater Ryllo. Als aber dieser 1848 nach viermonatigem Aufenthalt starb, wurde Knoblecher sein Nachfolger. Er erwarb ein Grundstück, worauf Schule, Kapelle und Unterkunft errichtet wurden. In der Schule wurden sowohl die Kinder der in Khartum ansässigen Europäer unterrichtet als auch Negerknaben, die man auf dem Sklavenmarkt freikaufte. Sie sollten später als Missionare in ihrer Heimat eingesetzt werden. Schon 1856 sandte Knoblecher acht dieser Schüler zum Theologiestudium nach Europa. Um den Wirkungsbereich der Mission auszuweiten, unternahm Knoblecher Reisen entlang des Weißen Nils. Über seine Fahrten berichtete er detailliert in seiner Schrift "Reise auf dem Weißen Nil" (Laibach, 1850).
1850 kehrte Knoblecher kurz nach Österreich zurück, um sowohl Geldspenden als auch neue Missionare zu erhalten. Mit neuen Missionsmitgliedern und der finanziellen Unterstützung des in Wien gegründeten "Marienvereins zur Beförderung der Katholischen Mission in Central-Afrika" traf er 1852 wieder in Khartum ein. Nachdem er schon 1850 bis ins Land der Bari vorgestoßen war , gründete er dort 1852 die Missionsstation Gondokoro. Seine ungenauen Positionsangaben der Station trugen erheblich zur Unsicherheit bei der Zeichnung des oberen Nillaufs bei. Die genaue Festlegung von Gondokoro und damit die richtige Erfassung des Nillaufs blieben noch lange ein Hauptanliegen der Kartographie Afrikas. 1854 gründete Knoblecher die Station Heiligkreuz zwischen Shambe und Bor in der Provinz Oberer Nil (der Platz wird noch heute "Kanisa" – arabisch für Kirche – genannt).
1858 begab er sich auf eine Reise nach Rom, um Angelegenheiten der Mission zu besprechen. Nach seiner Ankunft in Neapel erkrankte er schwer und wurde im Augustinerkloster zur Behandlung aufgenommen, wo er am 13. April 1858 erst 39-jährig verstarb. Alfred Brehm, der berühmte deutsche Zoologe, schrieb über Knoblecher: "Er war ebenso liebenswürdig als gelehrt; er war unermüdet in seinen Arbeiten, heiter im Umgang mit seinen Reisegefährten, bescheiden und streng sittlich. Im Besitz von seltenen und tiefen Sprachkenntnissen, war er gleichwohl auch in anderen Wissenschaften bewandert und hatte neben den ihm von seinen Oberen gesteckten Ziel nur die wissenschaftliche Ausbeutung seiner großen Reisen, ohne Rücksicht auf jeden Gewinn, im Auge. Während seine Reisegefährten ihre Zeit mit nutzlosem oder herzlosem Gebetelesen verschwendeten, besorgte er nicht nur alle nötigen Tagesarbeiten, sondern führte noch nebenbei ein wirklich ausgezeichnetes wissenschaftliches und sehr mühsames Tagebuch. Seine Ausdauer glich seinen übrigen Eigenschaften: sie war großartig."
Seine sorgfältig geführten Tagebücher und Notizen waren wesentlich für die Verbreitung des Wissens über die Ethnographie, Zoologie und Botanik des Sudans. So wurde er auch 1857 zum Ehrenmitglied der Wiener Geographischen Gesellschaft ernannt. Seine ethnographischen Sammlungen sandte er dem Museum in Laibach.