Rudolf Grauer

Rudolf Grauer

In: Abenteuer Ostafrika. Der Anteil Österreich-Ungarns an der Erforschung Ostafrikas. Katalog der Burgenländischen Landesausstellung im Schloss Halbturn vom 11. Mai bis 28. Oktober 1988. – Eisenstadt: Amt der Burgenländischen Landesregierung, Kulturangelegenheiten 1988. 286. 8°. Objekt-Nr.: , S. 253.

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Rudolf Grauer

© Information: Kulturabteilung des Amtes der Burgenländischen Landesregierung, Eisenstadt


Geboren 20. August 1870 in Troppau (Schlesien), gestorben 17. Dezember 1927 in Wien

Trotz seines bedeutenden Beitrags zur zoologischen Erforschung Afrikas ist der Altösterreicher Grauer heute fast völlig vergessen; die biographische Literatur über ihn ist dürftig und nicht immer verläßlich.
Als Sohn wohlhabender jüdischer Eltern in Troppau (damalige Hauptstadt österreichisch- Schlesiens) geboren, besuchte er zunächst die Militärakademie in Wiener Neustadt, begann dann das Studium der Rechte in Wien und studierte schließlich Agrarwissenschaft in Halle a. Saale. Zwei Vergnügungsreisen nach Nordafrika belegen sein frühes Interesse für den Schwarzen Erdteil.
Die von Grauer in den Jahren 1904 bis 1906 unternommenen beiden Jagdreisen nach Uganda mögen noch durch die Mode der Zeit angeregt worden sein, zeigen aber bereits deutlich das erwachende Interesse an ernsthafter Forschung: Grauer bestieg als erster den Ruwenzori bis zur Wasserscheide (4800 Meter) und begann "aus Liebhaberei" mit dem Sammeln zoologischer Objekte, zunächst beschränkt auf die Vogelwelt. 1907 brach er zu seiner ersten ganz der Gewinnung von Tierpräparaten gewidmeten Reise nach Ostafrika auf, bei der er im Vulkangebiet nördlich des Kiwu-Sees auf Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg – den späteren Gouverneur von Togo – traf und sich für einige Zeit dessen Expedition anschloß. Im Auftrag des Herzogs brachte er für das zoologische Museum in Berlin sowie für das Rothschild-Museum in Tring (England) eine reiche zoologische Ausbeute zustande und kehrte im Winter 1908/1909 über die afrikanische Westküste nach Europa zurück.
Ein halbes Jahr später fuhr er erneut zum Sammeln nach Tanganyika, Urundi und Kiwu, diesmal für das Naturhistorische Museum in Wien. Die bis zum Frühjahr 1911 dauernde Expedition wurde hauptsächlich aus einem Legat des österreichischen Industriellen und Afrikareisenden Philipp von Oberländer finanziert. Sie führte vom Victoria-See an den Tanganyika-See, den ostafrikanischen Grabenbruch entlang nach Norden bis Beni und von dort in den Osten des zentralafrikanischen Urwaldes, wo die bisher noch kaum mit Europäern in Kontakt gekommenen Mambutti für Grauer jagten und sammelten. Die Reise erbrachte insgesamt drei Exemplare des erst 1901 entdeckten Okapi, 19 Affenarten – darunter den ebenfalls erst kurz zuvor entdeckten zentralafrikanischen Gorilla –, über 6.000 Vogelbälge und rund 22.000 Insekten. Eine Auswahl der wichtigsten Objekte wurde 1912 im Naturhistorischen Museum gezeigt.
Noch im Herbst des selben Jahres wollte sich Grauer auf einer neuerlichen Expedition in das Gebiet südlich des Albert-Sees vorwiegend jenen Elementen der ostafrikanischen Fauna widmen, die er für das Wiener Museum bisher nur ungenügend berücksichtigten konnte. Aus familiären Gründen – der Tod des Bruders dürfte ihn zur Übernahme der elterlichen Fabrik gezwungen haben – kam dieses bereits vom Oberstkämmereramt bewilligte und geförderte Unternehmen im letzten Augenblick nicht mehr zustande.
Grauer zog sich nach Troppau ins Berufs- und Privatleben zurück. 1914 heiratete er; die Ehe blieb kinderlos. Im selben Jahr trat er mit einer offensichtlich sehr berechtigten Kritik an dem Buch "Quer durch Uganda" des Architekten und Afrikareisenden Rudolf Kmunke noch einmal an die Öffentlichkeit. Dann wurde es still um ihn: Die wissenschaftlichen Ergebnisse seiner Fahrten – darunter die Entdeckung vieler neuer Arten – wurden von anderen veröffentlicht, und sein eigenes großes Wissen über Afrika und seine Fauna fand keinen literarischen Niederschlag.
Der Ausgang des Krieges dürfte ihn materiell schwer getroffen und zur Übersiedelung nach Wien bewogen haben. 1920 erkrankte er hier an Aktinomykose, einer aus Afrika mitgebrachten Pilzerkrankung. Nach einer langen, in Hellbrunn bei Salzburg verbrachten Leidenszeit starb er am 17. Dezember 1927 im Wiener Allgemeinen Krankenhaus.