Dr. August Ritter von Genczik

Dr. August Ritter von Genczik

In: Abenteuer Ostafrika. Der Anteil Österreich-Ungarns an der Erforschung Ostafrikas. Katalog der Burgenländischen Landesausstellung im Schloss Halbturn vom 11. Mai bis 28. Oktober 1988. – Eisenstadt: Amt der Burgenländischen Landesregierung, Kulturangelegenheiten 1988. 286. 8°. Objekt-Nr.: , S. 252.

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Dr. August Ritter von Genczik

© Information: Kulturabteilung des Amtes der Burgenländischen Landesregierung, Eisenstadt


Geboren 5. Oktober 1810 in Linz, gestorben 27. April 1864 in Kremsmünster

Genczik, der einer alten böhmischen Adelsfamilie entstammte, studierte in Wien Rechtswissenschaften. 1831 trat er in den Staatsdienst ein, den er nach zwei Jahren wieder quittierte, um privat den Balkan zu bereisen. Nach seiner Rückkehr begann er in Erlangen das Medizinstudium. Auf Reisen durch Großbritannien, Frankreich, Italien, das Osmanische Reich und Indien bereicherte er seine Sprachkenntnisse. 1846 promovierte er zum Doktor der Medizin.
Als begleitender Privatarzt, vorwiegend englischer Aristokraten, bereiste er Europa und den Orient. So gelangte er 1849 nach Kairo, nachdem er ein Jahr zuvor vergeblich versucht hatte, eine Stellung als Regimentsarzt in Österreich zu erlangen.
Vom Vizekönig Abbas Pascha erhielt er eine Anstellung als Provinzarzt von Khartum, zuständig für Pockenimpfungen der ägyptischen Besatzungstruppen und der Beamten entlang des Weißen Nils, was ihm den Namen "Abuna tromba" (Vater der Spritze) einbrachte. In dieser Eigenschaft drang er entlang des Weißen Nils bis an die Grenze des Shilluk-Reiches vor .
1855 kehrte er nach Oberösterreich zurück, wo er seinen Unterhalt als Privatlehrer bestritt. Bald plante er, wieder in den Sudan zurückzukehren, da er gesehen hatte, mit welch geringen Mitteln man dort als Kaufmann ein Vermögen verdienen konnte. "Ich habe mit meinem wenigen Geld bis jetzt gespart wie ein Jude, werde es noch mehr tun, nur um Sachen zusammenzubringen, die mir oben (in Chartum) etwas eintragen. Denn, daß ich nicht länger als höchstens ein Jahr oben bleiben will, das liegt auf der flachen Hand", schrieb er. Seiner Bewerbung im Außenministerium um einen Posten im Konsulat von Khartum wurde in Form einer Sekretärstelle entsprochen. Im Juli 1856 traf Genczik an seinem Bestimmungsort ein, wo er sich nicht nur seiner Beschäftigung am Konsulat, sondern auch dem Handel widmete. Nach der Ablehnung seiner Bewerbung um den Chefarztposten des Sudans im Jahre 1857 unternahm er eine Handelsexpedition auf dem Weißen Nil, die über die Grenze des ägyptischen Machtbereichs hinaus führte. Heftiges Fieber zwang ihn zum Abbruch des Unternehmens und zur Rückkehr nach Khartum. Halbwegs genesen, allerdings mit bleibenden Seh- und Gehörschäden, kehrte Genczik 1857 nach Österreich zurück. 1864 verstarb er an einem Lungenemphysem in Kremsmünster .
Genczik vermehrte private und öffentliche Sammlungen in Österreich (Wien, Linz und Kremsmünster), Paris, Leiden, Antwerpen und München durch den Verkauf von ethnographischen und zoologischen Objekten.