Friedrich Julius Bieber

Friedrich Julius Bieber

In: Abenteuer Ostafrika. Der Anteil Österreich-Ungarns an der Erforschung Ostafrikas. Katalog der Burgenländischen Landesausstellung im Schloss Halbturn vom 11. Mai bis 28. Oktober 1988. – Eisenstadt: Amt der Burgenländischen Landesregierung, Kulturangelegenheiten 1988. 286. 8°. Objekt-Nr.: , S. 248.

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Friedrich Julius Bieber

© Information: Kulturabteilung des Amtes der Burgenländischen Landesregierung, Eisenstadt


Geboren 24. Februar 1873 in Wien, gestorben 3. März 1924 ebendort

Bieber wurde als erstes von fünf Kindern eines Bankbeamten geboren. Sein Interesse an fernen Ländern wurde einerseits durch einen Lehrer, andererseits durch ein Buch über Gerhard Rohlfs und Verney Camerons Reisen geweckt. Nach dem frühen Tod des Vaters beendete Bieber die Schule und trat eine Schusterlehre an. Als 17-jähriger unternahm er im Frühling 1890 eine Fußwanderung nach Triest, im Winter des darauffolgenden Jahres eine Reise nach Konstantinopel. 1892 erreichte er, mit dem Wunsch, Afrika zu bereisen, nur die damalige italienische Kolonie Eritrea, von wo er wegen finanzieller Schwierigkeiten bald zurückkehrte. 1893 fand er im k.k. Handelsministerium Anstellung im statistischen Dienst. Gemeinsam mit Leopold Morgenstern, dem Vertreter der Wiener Import-Exportfirma Arnold Szel unternahm er im Jahre 1904 eine vorwiegend Handelszwecken dienende Expedition an den äthiopischen Kaiserhof in Addis Abeba. 1905 begleitete er als Dolmetsch die offizielle k.k. Mission nach Äthiopien unter Leitung Ludwig Ritter von Höhnels zur Unterzeichnung des Handels- und Freundschaftsvertrages zwischen Äthiopien und Österreich-Ungarn. Anschließend unternahm er mit Baron Alphons Mylius eine Expedition durch , Südwest-Äthiopien, von der er reiches wissenschaftliches Material, vor allem über das ehemalige Kaiserreich Kaffa, mit nach Europa brachte. 1909 führte er mit dem Industriellen Emil Pick zur Ergänzung seiner Arbeiten eine weitere Reise durch Äthiopien an den Weißen Nil durch.
Biebers Bemühungen um die bilateralen Beziehungen zwischen Äthiopien und Österreich-Ungarn wurden von äthiopischer Seite mit der Verleihung des Ritterordens "Stern von Äthiopien" und der Ernennung zum Oberst der äthiopischen Armee anerkannt.
Nach seiner Rückkehr aus Afrika widmete er sich der wissenschaftlichen Aufarbeitung des von ihm gesammelten Materials, was in zahlreichen Publikationen Niederschlag fand. Der Großteil seiner ethnographischen Sammlungen findet sich heute im Museum für Völkerkunde, Stücke aus dem privaten Nachlaß wurden vom Bezirksmuseum Hietzing erworben.