Kreuzigung Christi

Kreuzigung Christi

In: Eines Fürsten Traum. Meinhard II. – Das Werden Tirols. Katalog der Tiroler Landesausstellung 1995 im Schloß Tirol und im Stift Stams. Redigiert von Josef Riedmann. – Dorf Tirol: Südtiroler Landesmuseum Schloß Tirol; Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1995. 600.8°. Objekt-Nr.: 18.26, S. 468.

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Leihgeber: Benediktinerstift St. Georgenberg-Fiecht (Tirol), Vomp
Kreuzigung Christi

© Foto Frischauf, Innsbruck


Anfang 13. Jahrhundert
Limoges
Grubenschmelz auf Kupfer, ehemals zum Teil vergoldet, 22,5 x 11,1 cm
Die Emailtafel wurde vermutlich bei einer der Feuersbrünste im Kloster beschädigt; das zog den teilweisen Verlust des Emails und eine generelle Veränderung der Farbigkeit nach sich. 1959 erfolgte eine Reinigung und Sicherung des Emails durch das Bundesdenkmalamt Wien.

Die Gruppe mit dem auf einem Suppedaneum stehenden Gekreuzigten, flankiert von den Assistenzfiguren Maria und Johannes sowie den Halbfiguren zweier Engel im oberen Bildfeld, weist keine Emailierung auf; die Binnenzeichnung der Figuren wurde mit dem Grabstichel in die Kupferplatte eingraviert und war ursprünglich vergoldet, während die Köpfe gegossen und aufgesetzt wurden. Emailverziert sind somit nur das Kreuz und die Grundfläche der Plaque. Die ausgebreiteten Arme Christi nehmen die Breite der schmalen rechteckigen Tafel ein, die am unteren und oberen Rand ein wellenförmiges Rahmenornament zeigt. Außer den Kreuzbalken gliedern zwei horizontal verlaufende Streifen die Fläche in mehrere Felder, die mit Kreisornamenten und Rosetten verziert sind. Das Kreuz und die Assistenzfiguren stehen auf Hügeln aus schuppenförmig stilisierten Erdschollen. Während Johannes mit seiner Linken das Buch hält, drückt sich insbesondere in Marias Gestik Verzweiflung und Schmerz aus. Die beiden Engel sind als Halbfiguren in den oberen Feldern der Tafel über den Kreuzarmen dargestellt. Ihre Unterkörper werden durch je einen Halbkreis verdeckt, der eine stilisierte Wolkenbank darstellt und beide als übernatürliche Wesen ausweist.
Ob die Emailtafel als Stiftung oder Schenkung in die Benediktinerabtei St. Georgenberg kam, ist heute nicht mehr feststellbar; auch ihr ursprünglicher Verwendungszweck ist ungeklärt. Möglicherweise schmückte sie ehedem die Vorderseite eines Bucheinbandes (Bucheinbände, die in Limoges entstanden, zeigen alle dieselbe Ikonographie: auf der Vorderseite eine Kreuzigung, auf der Rückseite eine Majestas Domini).
Aufgrund des Verzeichnisses der Georgenberger Heiltümer, "Athos Georgianus", das Abt Benedikt Herschl handschriftlich und in sechsfacher Ausführung verfaßte und das 1652 bei Michael Wagner in Innsbruck in einer Auflage von nur 29 Exemplaren gedruckt wurde, weiß man heute um die weitere Verwendung der Emailplatte: Unter den vom Innsbrucker Kupferstecher und Siegelschneider Johann Baptist Jezl angefertigten Kupferstichen zur Illustration der von Herschl beschriebenen Reliquien findet sich auf den Seiten 33 und 34 zweimal die gleiche Darstellung eines Altares, die die spätromanische Emailtafel mit der Kreuzigungsdarstellung in einem Renaissancerahmen aus der Mitte des 17. Jahrhunderts zeigt.


Eleonore Gürtler


Literatur: Athos Georgianus Divis Coelitibus, quorum reliquiae hic sunt, eremitis et monachis Benedictinis a senis saeculis sacer (1652), S. 33f., mit Abbn. – Magdalena Weingartner, Gold und Silber. Kunstschätze aus Tirol. Katalog der Ausstellung in der Hofburg, Innsbruck 1961 (Innsbruck 1961), S. 26f, Kat. Nr. 6. – Hermann Fillitz, Martina Pippal, Schatzkunst. Die Goldschmiede- und Elfenbeinarbeiten aus österreichischen Schatzkammern des Hochmittelalters (Salzburg-Wien 1987), S. 326, Kat. Nr. 84, Abb. S. 327