Heilsspiegel (Fragment)

Heilsspiegel (Fragment)

In: Eines Fürsten Traum. Meinhard II. – Das Werden Tirols. Katalog der Tiroler Landesausstellung 1995 im Schloß Tirol und im Stift Stams. Redigiert von Josef Riedmann. – Dorf Tirol: Südtiroler Landesmuseum Schloß Tirol; Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1995. 600.8°. Objekt-Nr.: 18.20, S. 466.

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Leihgeber: Privatbesitz
Heilsspiegel (Fragment)

© Foto Frischauf, Innsbruck


1. Hälfte 14. Jahrhundert
Tempera auf Holz, 31 x 21,5 cm
St. Walburg in Kematen/Sand in Taufers

Die 1982 in St. Walburg in Kematen entdeckte kleine hochrechteckige Tafel ist abwechselnd durch gelbe und rote Bänder in sechs quadratische Felder unterteilt, in denen Szenen die Vita Christi ab dem Kreuzestod auflisten. Die Lesung der Szenen folgt von links nach rechts: Kreuzigung, Kreuzabnahme, Grablegung, Auferstehung, Himmelfahrt und Pfingsten. Ansätze von zwei weiteren Szenen darunter belegen den ursprünglich größeren Umfang der Heilsdarstellung, die wenigen Farbfragmente lassen jedoch keine ikonographische Deutung zu (Marientod, Marienkrönung ?). Unten wurde die Tafel abgesägt, am linken Rand haben sich noch Reste eines Rahmens erhalten, rechts und oben die Nägellöcher.
Die ursprüngliche Funktion der kleinen Holztafel ist ungeklärt. Nicht auszuschließen ist die Einbindung als Flügel in ein kleines Reise- oder Reliquienaltärchen. Für das verlorengegangene Gegenstück sind Szenen der Heilsgeschichte von Christi Geburt bis zur Passion zu rekonstruieren.
Stilistisch orientiert sich die Malerei an Formvorlagen frühgotischer Malerei, was sich im Detail in der Haartracht des Apostels, der Form des Astkreuzes und den dreipassigen Lochfiguren am Sepulcrum Domini zeigt. Eine Datierung in die 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts ist in Betracht zu ziehen.


Leo Andergassen


Literatur: Unveröffentlicht